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SAP entdeckt die vertikale Integration

31.10.2002
SAP will seine PPS- und SCM-Systeme künftig mit der Maschinenebene in der Fertigung verbinden. Damit sollen heute übliche Medienbrüche künftig vermieden werden.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der deutsche Unternehmenssoftwarehersteller SAP will seine Produktionsplanungs- und Supply-Chain-Management-Systeme künftig mit der Maschinenebene in der Produktion verbinden. Der Anbieter hat angekündigt, eine Initiative aufsetzen und mit Entwicklungsressourcen ausstatten zu wollen, die die Fabrikhalle an die ERP-Software anbinden soll. So können heute übliche Medienbrüche zwischen der Produktion und den Planungssystemen künftig vermieden werden.

SAP adressiert damit ein schon lange bestehendes Problem. Leitstände für die Maschinenebene sind in der Regel nicht mit den PPS-Systemen einer ERP-Anwendung verbunden. Häufig besteht die Inkompatibilität schon auf der Netzwerkebene: IT-Systeme sind über TCP/IP verbunden, Maschinen über Feldbus. Aber auch auf Datenebene passen die Systeme heute noch nicht gut zusammen. Bislang ist Invensys über seine Tochter Baan das einzige ERP-Unternehmen, das den Ansatz der vertikalen Integration verfolgt. Im COMPUTERWOCHE-Interview bekräftigte der Deutschland-Chef von Baan, Ralf Othmer, dass dieser Ansatz bereits fortgeschritten sei und von den Kunden nachgefragt würde.

Die Verbindung der beiden Welten hat vor allem im Bereich Fertigungsfeinplanung große Vorteile. Ein Unternehmen kann damit schnell auf Änderungen in den Randbedingungen reagieren, zum Beispiel Materialengpässe oder Maschinenstillstände. Doch auch darüber hinaus bietet die Integration enormes Rationalisierungspotenzial. Zum Beispiel entfällt lästige Doppelarbeit durch die Übertragung von Informationen von einem PPS-System auf einen Leitstand und umgekehrt.

Wie die vertikale Integration bei SAP genaus aussehen soll, wird erst noch erarbeitet. Ergebnisse der neuen Entwicklungstätigkeit erwartet das Unternehmen in rund 18 Monaten. Verantwortlich im Vorstand ist Claus Heinrich, der als deutscher Logistikexperte gilt. Nach seinem Eintritt in die SAP 1987 koordinierte Heinrich die MRP-II-Entwicklung und leitete den Entwicklungsbereich Logistik-Controlling. 1996 wurde er in den Vorstand der SAP berufen und ist seitdem für Logistikanwendungen zuständig. Heinrich promovierte im Bereich Produktionsplanung mit dem Schwerpunkt Operations Research. Er ist weiterhin Mitglied der Fakultät der Universität Mannheim und hält Vorlesungen in Supply-Chain-Management. (mo)