TechEd 2019

SAP bringt Business Technology Platform heraus

14.10.2019
Von 
Martin Bayer ist Chefredakteur von COMPUTERWOCHE, CIO und CSO. Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP.

Alles neu macht die Cloud

Mit der neuen Stoßrichtung in Richtung Cloud hat sich einiges beim Softwareanbieter aus dem Badischen verändert, berichtete Rothermel. Zwar folge die SAP Cloud Platform mit ihrer Microservices-Architektur durchaus den altbekannten Prinzipien der Service-orientierten Architekturen (SOA). Technisch sehe es in der Cloud jedoch ganz anders aus. Von der SAP-eigenen Middleware und Integrationstechnik Netweaver aus der On-Premise-Welt stecke nichts mehr in der Cloud-Lösung.

Auch die Art und Weise wie Software entwickelt und ausgerollt wird, hat sich grundlegend gewandelt, so Rothermel. Dabei habe man vor allem durch die zahlreichen Cloud-Zukäufe der vergangenen Jahre einiges gelernt. Während SAP früher seine Software per DVD-Stapel oder Download zu den Kunden gebracht habe, kümmerten sich heute die eigenen DevOps-Teams um den Betrieb der SAP-Systeme in den verschiedenen Clouds. Dabei seien die Entwickler stärker motiviert, dass alles funktioniere, konstatierte der SAP-Mann mit einem Schmunzeln. Schließlich wolle keiner am Wochenende herausgeklingelt werden, weil die Software nicht mehr läuft.

Anwender müssen an Cloud-Readiness arbeiten

Cloud-ready zu sein, sei aber auch eine Aufgabe für die Kunden. Schließlich gelte es, deutlich schneller getaktete Update- und Release-Zyklen mitzugehen. Dabei wolle SAP jedoch darauf achten, nicht zu schnell zu sein und seine Kunden nicht zu überfordern, sagte CTO Müller. So offeriere der Konzern den Anwenderunternehmen in bestimmten Bereichen, in denen SAP Updates im Wochenrhythmus ausspielt, diese zu sammeln und dann konsolidiert in einem vierteljährlich getakteten Turnus zu implementieren.

Die Ankündigungen SAPs, seine Integrationsanstrengungen zu forcieren und auch an den Preismodellen zu arbeiten, wird auf Anwenderseite begrüßt. Wiederholt hatten Vertreter der Deutschsprachigen SAP Anwendergruppe (DSAG) in den vergangenen Jahren gefordert, der Softwarehersteller müsse seine Produkte besser miteinander verknüpfen. Gerade hinsichtlich der Integration der verschiedenen Cloud-Zukäufe in den SAP-Softwarekosmos, der Harmonisierung von Datenmodellen und flexibleren Lizenzmetriken mahnte die User Group Verbesserungen an.

Wie Anwender mit SAP-Lösungen umgehen:

"Die Stoßrichtung stimmt", kommentierte Steffen Pietsch, Technik-Vorstand der DSAG, die jüngsten Ankündigungen. SAP nehme die Sorgen und Anliegen seiner Kunden wahr und arbeite an Lösungen. Den Ansatz, die Integration auf die Cloud-Plattform zu verlagern, findet Pietsch richtig. Eine Migration des ERP-Kernsystems in die Cloud komme zwar für die meisten Anwender zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht in Frage. Erweiterungen würden jedoch vielfach über die Cloud angegangen.

"SAP hat verstanden, dass sie mehr für Integration tun müssen", konstatierte auch Frank Niemann, Vice President Enterprise Apps & Related Services bei teknowlogy PAC. Dafür habe aber nicht nur der Druck der Anwender gesorgt. Auch der SAP-Vertrieb dürfte ein gesteigertes Interesse an einer besseren Integration der verschiedenen Produkte haben. "SAP hat in den vergangenen Jahren viel Geld in Zukäufe investiert." Nun gehe es darum, mit einer besseren Integration die eigenen Geschäfte anzukurbeln.

"SAP hat verstanden, dass sie mehr für Integration tun müssen", konstatierte Frank Niemann, Vice President Enterprise Apps & Related Services bei teknowlogy PAC.
"SAP hat verstanden, dass sie mehr für Integration tun müssen", konstatierte Frank Niemann, Vice President Enterprise Apps & Related Services bei teknowlogy PAC.
Foto: PAC

Darüber hinaus müsse sich SAP aber auch darum kümmern, seine Produkte für die Anwender leichter konsumierbar zu machen, so der Analyst. Bisher habe sich das Go-to-Market zu sehr auf einzelne Produkte bezogen. "Das sollte sich ändern", sagt Niemann. Vielmehr gelte es für SAP, einen integrierten, eher Lösungs- beziehungsweise End-to-End-Prozess-orientierten Ansatz zu entwickeln.

SAP fokussiert stärker auf End-to-End-Prozesse

Tatsächlich scheint sich der Softwarekonzern neben dem Fokus auf die technische Plattform auch wieder stärker auf sein Prozess-Know-how rückbesinnen zu wollen. Die Nähe zu den Anwendern und die detaillierte Kenntnis über deren betriebswirtschaftlichen Abläufe hatten die Walldorfer groß gemacht. In einem Whitepaper, in dem die SAP ihre strategischen Ansprüche gegenüber der eigenen Klientel beschreibt, ist die Rede davon, "Innovationen in die intelligente Suite einzubetten, um Kunden einen Mehrwert out of the box bieten zu können". Es gehöre zu SAPs obersten Prioritäten, Kunden nicht nur einen Satz von Anwendungen, sondern auch eine Reihe von intelligenten und vernetzten Geschäftsprozessen über alle Fachabteilungen hinweg liefern zu können. Integration und Innovation in die intelligente Suite werde die Kundenzufriedenheit und die Akzeptanz von SAPs Fachanwendungen weiter erhöhen, so die Hoffnung der Walldorfer. Als Beispiele führt SAP Prozesse wie Design-to-Operate, Total Workforce Management, Lead-to-Cash sowie Source-to-Pay an.

SAP besinnt sich auf sein Prozess-Know-how.
SAP besinnt sich auf sein Prozess-Know-how.
Foto: SAP SE

Dazu beitragen sollen neben der Out-of-the-Box-Integration der dafür benötigten Funktionen auch zusätzliche fest in den Anwendungen verdrahtete Tools wie beispielsweise Embedded Intelligence oder Embedded Analytics. Erst im September hatte SAP das neueste Release seiner Analytics Cloud angekündigt. Darin enthalten seien Erweiterungen für komplexe Analysen, Unternehmensplanung, ein Analysedesigner sowie eingebettete Analysen, hieß es. SAP Analytics Cloud soll auch in SAP-SuccessFactors- und SAP-S/4HANA-Lösungen integriert werden. Darüber hinaus will der Konzern eine Embedded Edition herausbringen. Entwickler könnten damit Analysefunktionen direkt in ihre Anwendungen integrieren.

Vorgefertigte Automatisierung für mehr Effizienz

Darüber hinaus bietet SAP Anwendern zusätzliche Möglichkeiten, mehr Aufgaben zu automatisieren. Dafür seien vorkonfigurierte Funktionsblöcke für Robotic Process Automation (RPA) fest in Anwendungen wie S/4HANA integriert. Das betrifft beispielsweise Fachbereiche wie das Finanzwesen oder den Vertrieb, aber auch bestimmte Branchen wie Professional Services oder das produzierende Gewerbe. SAP spricht an dieser Stelle von Building Blocks, mit deren Hilfe Anwender intelligente RPA-Workflows bauen könnten.

SAPinsider-Konferenz: Jetzt informieren und austauschen zu SAP S/4HANA!

Nach Barcelona fahren, um zu arbeiten – das will man wirklich nur, wenn es sich lohnt. Auf der von SAP unabhängigen Konferenz Digital Core and Intelligent Platform Built on SAP S/4Hana vom Veranstalter SAPinsider erfahren Besucher alles über die neue Software. Vom 20. bis zum 22. November 2019 können Sie sich in Barcelona mit Experten austauschen, mit Gleichgesinnten aus aller Welt vernetzen und bei Bedarf tief in die Softwaredetails von S/4HANA abtauchen. Dafür gibt es die sogenannten Hands-On Labs sowie etliche Deep-Dive-Sessions.

Technikchef Müller kündigte an, grundsätzlich mehr Intelligenz in die SAP-Anwendungen bringen zu wollen. So arbeitet der Hersteller beispielsweise mit "Spotlight" an einem Tool, das automatisch Prozesse mit hohen manuellen Anteilen identifizieren soll. Mit Hilfe eines anderen Werkzeugs sollen sich im nächsten Schritt RPA-Bots mehr oder weniger automatisiert generieren lassen. Darüber hinaus forciert SAP die Entwicklung von Machine Learning (ML). Mehr als 200 Cases seien bereits live und könnten über einen Content-Marktplatz bezogen sowie in Anwendungen integriert werden, bekräftigte der SAP-Vorstand auf der TechEd.