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SAP begrüßt Kartellurteil im Oracle-Peoplesoft-Prozess

13.09.2004

Der Walldorfer Softwarekonzern SAP hatte bislang kaum etwas an einem eventuellen Zusammenschluss von Oracle und Peoplesoft auszusetzen. Lediglich auf einen möglicherweise steigenden Konkurrenzdruck in den USA wurde hingewiesen. Nachdem nun ein US-Gericht die Kartellklage des US-Justiministeriums gegen die feindliche Übernahme durch Oracle abgewiesen hat (Computerwoche.de berichtete), äußerte sich der Branchenprimus gelassen.

Der Zusammenschluss eröffne SAP mehr Chancen als Risiken, sagte Vorstandschef Henning Kagermann in einem Gespräch mit der "Welt am Sonntag". Mit der Fusion bekomme SAP "einen Wettbewerber, auf den man sich fokussieren kann", sagte Kagermann. Die Übernahme nannte er das Beste aller Szenarien. Oracle werde große Probleme bei der Integration von Peoplesoft haben, so der SAP-Chef. Man werde die Verunsicherung der Kunden nutzen, um weitere Marktanteile zu gewinnen. Die Chance für eine erfolgreiche Übernahme schätzt der SAP-Chef inzwischen auf 70 Prozent – in früheren Interviews hatte er sie nur auf 50 Prozent beziffert.

Das Geschäft von SAP war angesichts der Unsicherheit um die beiden Konkurrenten vor allem in den USA zuletzt rasant gewachsen. So kletterten die Lizenzerlöse von SAP im zweiten Quartal um 45 Prozent. In Europa lag das Lizenzwachstum hingegen nur bei zwei Prozent. In den USA hat SAP nach eigenen Angaben inzwischen 37 Prozent des Marktes erobert.

Kagermann sieht den Marktanteil der SAP – gemessen an den direkten Wettbewerbern – inzwischen auf 55 Prozent angewachsen. Diese Dominanz sei nicht unproblematisch: Aus Furcht vor einer zu starken Abhängigkeit könnten die Kunden zusätzlich einen anderen Anbieter verpflichten, erklärte der Vorstandssprecher. Daher habe das Unternehmen mit "Netweaver" eine Plattform geschaffen, an die auch Konkurrenten "andocken" könnten. Bis 2007 soll die Funktionalität aller SAP-Programme auf diese Plattform abgestimmt sein. Die für dieses Jahr geplanten 1000 Referenzkunden für "Netweaver" seien bereits jetzt erreicht. Nun wolle man das Ziel auf 1500 ausweiten. "Natürlich besteht die Gefahr, dass wir wegen der Öffnung unserer Plattform für andere Hersteller auch Umsatz verlieren", sagte Kagermann. Das geschehe aber nur, wenn SAP mit seinen Programmen nicht gut genug sei.

Um für diese Herausforderung gewappnet zu sein, will SAP in diesem Jahr mehr als die angekündigten 2500 Arbeitsplätze schaffen, den größten Teil davon im Ausland. Die Mischung sei wichtig, Walldorf sollte nicht so dominant sein, dass die anderen Länder nur untergeordnete Rollen spielen können, sagte der SAP-Chef. Zwar werde Walldorf noch in den kommenden fünf Jahren das größte Entwicklungslabor sein, doch mittelfristig soll nur noch jeder zweite Entwickler in Deutschland arbeiten.

Derzeit bewältigt SAP rund 70 Prozent seiner Forschung und Entwicklung hier zu Lande. "Es wird aber keine nennenswerte Verlagerung von Arbeitsplätzen oder Entlassungen geben", sagte Kagermann. "Wir werden nur im Ausland mehr einstellen als im Inland." Die strategische Planung wie auch der Unternehmenssitz bleiben in Deutschland.

Als Grund für den stärkeren Stellenausbau im Ausland nannte Kagermann neben dem Kostenfaktor vor allem die Qualität der Bewerber. "Wenn wir weltweit unsere Mitarbeiter rekrutieren, haben wir natürlich eine größere Auswahl an guten Leuten", sagte der SAP-Chef. Insbesondere Indien habe deutlich aufgeholt. (mb)