SAP-Systemkonsolidierung

SAP-Anwender haben Nachholbedarf

23.10.2008
Bei der Neuimplementierung sind SAP-Systeme meist noch relativ klein und übersichtlich. Nach einigen Jahren werden die Systeme durch eine Vielzahl von Anforderungen und daraus folgenden Anpassungen immer größer und mächtiger.

Auch Unternehmenswachstum und Internationalisierung führen dazu, dass den Unternehmen oftmals wenige zentrale SAP-Systeme nicht mehr ausreichen. So entsteht eine kaum mehr zu beherrschende Komplexität, die Systeme unflexibel werden lässt und erhebliche Ressourcen in den IT-Abteilungen bindet.

Im Rahmen der Studie "Sourcingstrategien in SAP-Umgebungen" im April 2008 fragte RAAD Research 715 IT-Leiter in Deutschland, Österreich und der Schweiz, wie Sie den Konsolidierungsgrad ihrer SAP-Systeme einschätzen. Danach gaben ca. zwei Drittel der Interviewteilnehmer an, dass sie nur (sehr) wenige, einfache und zentrale SAP-Systeme im Einsatz haben. Der Rest der Befragten beurteilt das eigene SAP-System aber anders. Diese Unternehmen müssen sich mittelfristig mit einer Konsolidierung ihrer Systeme auseinandersetzen. Im Besonderen trifft dies für die 12 Prozent der Unternehmen zu, die sogar sehr viele komplexe, dezentrale Systeme im Einsatz haben.

Konsolidierungsgrad
Konsolidierungsgrad
Foto: RAAD Research

Systemkonsolidierung bedeutet in erster Linie Standardisierung bzw. Vereinheitlichung und in diesem Zuge auch Vereinfachung der Systemlandschaft. Server, Datenbanken, Betriebssysteme und Enterprise Applications sind die klassischen Ansatzpunkte, wenn Unternehmen über eine Vereinheitlichung nachdenken. Das Ziel besteht zumeist darin, möglichst viele einheitliche Softwareversionen von möglichst wenigen Anbietern in möglichst wenigen Systemen einzusetzen.

Die wesentlichen Gründe dafür, dass Konsolidierungsmaßnahmen eingeleitet werden, sind:

Systemintegration durch Unternehmenszukauf: Eingliederung oder Anbindung von IT-Systemen eines zugekauften Unternehmens in die Systeme des bestehenden Konzerns.

(Re-)Strukturierung von Geschäftsprozessen: Grundlegende Restrukturierungen von Geschäftsprozessen scheitern oft an der fehlenden Flexibilität von Softwaresystemen, was dazu führt, dass zunächst die softwaretechnische Basis durch eine Konsolidierung vereinfacht wird.

Wartungsvereinfachung, Schnittstellenverringerung: Schnittstellen bilden die Grenze zwischen Softwareeinheiten. Durch sie werden technische Funktionen oder administrative Zuständigkeiten dieser Einheiten voneinander abgegrenzt. Ein Mehraufwand an Wartung entsteht, da die Schnittstellen mit jedem neuen oder modifizierten System neu konfiguriert werden müssen. Je mehr Systeme miteinander verbunden sind, desto mehr Schnittstellen sind vorhanden. Die Reduzierung von Schnittstellen ermöglicht so also auch langfristig Einsparungen der internen IT-Kosten.

Verringerung von Datenredundanzen: Redundanz bedeutet, dass dieselben Daten in verschiedenen Systemen nebeneinander erfasst werden und ins Datawarehouse geladen werden. Problematisch ist das, da beim Transformieren die Doppelerfassung vermieden und Datenkonsistenz hergestellt werden muss. Dies bedeutet zusätzlichen Arbeitsaufwand, erhöht wiederum die Kosten und vermindert Transparenz, was sich langfristig auch auf Kundenbeziehungen niederschlagen kann.

Optimierung der Systemperformance: Komplexe dezentrale Systeme können die Leistungsfähigkeit (zum Beispiel Antwortzeiten) eines Hard- oder Softwaresystems extrem reduzieren, weshalb eine Konsolidierung oft notwendig erscheint.

Ablösung von Altsystemen: Beim Ersetzen von bisher eingesetzten Softwaresystemen, z.B. bei der Ablösung von SAP R/3 durch SAP ERP, kann bei gleichzeitiger Konsolidierung eine neue Basis geschaffen werden.

Inhalt dieses Artikels