Die Content Marketing-Krise

Ruiniert Content Marketing den Journalismus?

Kommentar  01.02.2017
Von 
Juliane Waack ist Fachredakteurin des Beratungsunternehmens ec4u expert consulting ag und schreibt zusätzlich für den Digitalisierungsblog der cloud world. Sie hat sich auf die Themen Digitalisierung, Customer Journey, Content Marketing und Datenschutz spezialisiert.

Die Journalismus-Krise ist hausgemacht

Um Siebenhaars Kritik noch einmal aufzunehmen: Sobald Content Marketing als Ausrede verwendet wird, werbliche Inhalte zu verstecken und dem Kunden den Eindruck zu vermitteln, er würde eine neutrale Berichterstattung lesen, ist sein Einwand völlig berechtigt, dass die Integrität des Journalismus dadurch beeinträchtigt wird.

Doch die Verlage tragen dabei Mitschuld, immerhin sind sie es, die den Unternehmen den Platz in ihren Publikationen geben, ohne auf den werblichen Charakter hinzuweisen beziehungsweise ohne eine ausreichende Qualitätskontrolle durchzuführen.

Wenn Siebenhaar zusätzlich bemängelt, dass Unternehmen mittlerweile mehr Redakteure anstellen als die Verlage, stellt sich auch hier die Frage, warum das so ist. Unternehmen sind nicht Schuld daran, dass "viele Redaktionen von Zeitungen, Magazinen, aber auch Hörfunk- und Fernsehsendern ausgedünnt werden." Ebenso wenig, wie sie Schuld daran sind, dass es aktuell einen Vertrauensverlust in die Medien gibt. Mit Verlaub, es entbehrt jeder Vernunft zu behaupten, dass Native Advertising der Grund ist, warum "Populisten von rechts und links in Europa" vom Misstrauen in die Medien profitieren.

Ein Plädoyer für Content Marketing

"Content is King" wird seit einigen Jahren deklariert und es stimmt. Im Informationszeitalter wächst auch das Verlangen nach Inhalten, die relevant, vielfältig und gerade passend für mich als Leserin sind. Wenn ich dann ein Weihnachtsvideo von der Supermarktkette Penny sehe, das mich berührt, dann bin ich mir bewusst, dass es nicht aus reiner Menschenliebe gedreht wurde, ich schaue es mir dennoch gerne an.

Wenn ich ein Whitepaper herunterlade oder mich bei einem Newsletter eines Online-Shops anmelde, bin ich mir bewusst, dass diese Dinge einen klaren Zweck haben (den Verkauf eines Produktes/Angebots), aber ich lese die Inhalte dennoch.

Content Marketing ist ein sehr freundlicher Kompromiss zwischen Kunde und Unternehmen: ich schenke ihm meine Aufmerksamkeit und erwäge einen Kauf und das Unternehmen liefert mir dafür Inhalte, die mich tatsächlich in meiner Lebenswelt interessieren.

Über "versteckte" Werbung wie Native Advertising und You Tube-Testimonials lässt sich reden und lassen sich auch Standards zwischen Verlagen und Unternehmen etablieren, die sicherstellen, dass der Leser/Rezipient jederzeit den Unterschied zwischen Journalismus und Marketing erkennt. Doch dazu ist keine Abschaffung des Content Marketing nötig.