Gastkommentar

Ruf der Branche ist gefährdet

15.01.1999
Lars Damsgaard-Andersen, Geschäftsführer von Navision Software PC&C, Hamburg

Unter der Überschrift "IT-Projekte mit steigender Erfolgsquote" berichtete die CW von den Ergebnissen einer Studie über den Verlauf von IT-Projekten. Wie blanke Ironie erschien diese Headline beim Weiterlesen, lautete das Ergebnis der Studie doch: 28 Prozent aller Projekte werden abgebrochen, 46 Prozent sprengen den Zeit- und Kostenrahmen. Ist es angesichts dieser Flops ein Grund zur Freude, wenn tatsächlich 26 Prozent der Projekte planmäßig abgeschlossen werden? Desaster wie die chaotisch verlaufene DV-Umstellung bei der Noris-Bank oder das softwarebedingte Durcheinander auf dem Hongkonger Flughafen zeigen die Brisanz des Themas.

Viele IT-Anwendungen sind in den letzten Jahren immer komplexer und funktionsmächtiger geworden, aber auch immer weniger beherrschbar. Zudem zeigt sich vor allem in mittelständischen Unternehmen, daß eine am Projektstart vermeintlich hundertprozentig festgezurrte Planung an der Realität vorbeigeht. Der volle Umfang der Anforderungen wird nämlich in der Regel erst während der Implementierung deutlich. Nur wer schlanke und überschaubar anpaßbare Software einsetzt, kann auf die notwendigerweise eintretenden Änderungen am geplanten Projektverlauf sinnvoll reagieren.

Besonders nachdenklich stimmen Erfahrungen angesichts der Themen Euro-Umstellung und Jahr 2000. Da diese Herausforderungen gerade von mittelständischen Unternehmen immer noch zögerlich angegangen werden, wird die Zeit für eine solide Projektvorbereitung und - abwicklung immer enger. Um so mehr ist die IT-Branche gefordert, Katastrophen zu verhindern. Es steht mehr als nur ihr Ruf auf dem Spiel.