Web

 

Rote Zahlen zwingen Plaut zum Handeln

30.10.2001
0

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die in Salzburg und München ansässige Beratungsgruppe Plaut AG rutschte in ihrem dritten Geschäftsquartal 2001 ins Minus, verzeichnete einen 11,4-prozentigen Umsatzrückgang und warnte davor, dass man die Prognosen der Analysten für das laufende Jahr nicht erfüllen werde. Plaut rechnet damit, um rund zehn Prozent hinter dem erwarteten Jahresumsatz von 315 Millionen Euro zurück zu bleiben. Zudem kündigte das SAP-Systemhaus ein umfassendes Restrukturierungsprogramm an, das vor allem in den USA zum Tragen kommen soll, wo die jüngsten Ergebnisse enttäuschten.

Teil eins des auf "Target Ten" getauften Restrukturierungsplans sind Stellenstreichungen in den Bereichen Verwaltung, Back-Office sowie Vertrieb und Marketing. Plaut-Sprecher Sven Kielgas sagte gegenüber der COMPUTERWOCHE, man werde insgesamt rund 15 Prozent der 300 Mitarbeiter in den USA entlassen. In Deutschland soll es nicht zu direkten Stellenkürzungen kommen, sondern hier werde man die "natürliche Fluktuation" nutzen. "Das Geschäft läuft hier erfreulich, die Overhead-Kosten wurden bereits deutlich gesenkt. Deshalb gibt es keinen Anlass zu Entlassungen in Deutschland", erklärte Kielgas.

Um Kosten zu sparen, sollen zudem einige US-Niederlassungen geschlossen werden. Durch Akquisitionen sei man jenseits des Atlantiks teilweise überrepräsentiert. "Wir werden ungefähr fünf US-Büros schließen", sagte Kielgas. Weltweit unterhält die Firma zirka 45 Niederlassungen. Ferner will Plaut unprofitable Produkt- und Serviceangebote in den USA einstellen sowie Unternehmensteile mit unterdurchschnittlich profitablen Ergebnissen schließen oder verkaufen. Hier seien nicht nur Sparten in den USA, sondern auch problematische Ländergesellschaften in Lateinamerika und Mexiko im Gespräch. "In Brasilien werden wir beispielsweise durch die Abwertung des Reals gegenüber dem Euro gebeutelt", klagt Kielgas.

In seinem dritten Geschäftsquartal wies Plaut einen Fehlbetrag von 3,5 Millionen Euro oder 0,17 Euro je Aktie aus. Enthalten sind unter anderem Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 1,8 Millionen Euro. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch einen Profit von fünf Millionen Euro oder 0,25 Euro pro Anteilschein erwirtschaftet. Der Umsatz ging im Jahresvergleich um 11,4 Prozent auf 65,4 Millionen Euro zurück. Im Neunmonatszeitraum stiegen die Einnahmen um 4,8 Prozent auf 216 Millionen Euro, das Nettoergebnis fiel von plus 8,8 auf minus 9,1 Millionen Euro. Die Umsatzerwartungen von Plaut wurden damit unterschritten - "fast ausnahmslos bedingt durch die Konjunkturverlangsamung in den USA", hieß es in einer offiziellen Stellungnahme. Wie auch andere Unternehmen begründet Plaut die schlechten Zahlen mit den Terroranschlägen vom 11. September. Im vierten Geschäftsquartal rechnet die Beratungsgruppe mit einem Umsatz, der lediglich leicht über

den Einnahmen des abgelaufenen Berichtszeitraums liegt.

Die Anleger reagierten enttäuscht auf die Nachrichten: Das Plaut-Papier sank am heutigen Dienstagnachmittag um 24,6 Prozent auf 2,55 Euro (Stand: 13:24 Uhr).