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Ron Sommers Posten mal wieder im Gespräch

08.07.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Bundeskanzler Gerhard Schröder ist angeblich "intensiv auf Nachfolgersuche" für Telekom-Chef Ron Sommer. Dies wollen die Zeitungen "Financial Times Deutschland", die "Berliner Zeitung" sowie das Nachrichtenmagazin "Focus" aus Regierungskreisen erfahren haben. Den Meldungen zufolge wünscht sich der Bundeskanzler einen Unternehmenslenker vom Format eines DaimlerChrysler-Chefs Jürgen Schrempp, schreibt "Focus", oder des derzeitigen Wirtschaftsministers Werner Müller, so die FTD.

Der Schritt soll als Überraschungsmanöver gedacht sein, um wütende Kleinanleger als Wähler zu gewinnen. Analysten glauben, dass der Aktienkurs der Deutschen Telekom nach einem Führungswechsel wieder anziehen könnte. Das Papier war in der vergangenen Woche auf ein Allzeittief von 8,14 Euro gefallen, hatte sich aber bis Freitag abend wieder auf 10,8 Euro erholt.

Die Bundesregierung hat die Pläne für eine Ablösung Sommers dementiert. "Es ist nicht Sache des Bundeskanzlers, sondern des Aufsichtsrates, über Personalfragen zu entscheiden", kommentierte ein Regierungssprecher die Berichte. Auch bei der Telekom wollte man nichts davon wissen: Konzern-Sprecher Jürgen Kindervater sagte: "Das ist ein jedes Mal vor den Wahlen wiederkehrendes Gerücht, das wir auch als solches einstufen".

Laut Berliner Zeitung übt vor allem die Hausbank des magentafarbenen Riesen, die Dresdner Bank, Druck aus. Der frühere Dresdner-Bank-Chef und jetzige Telekom-Aufsichtsrat Bernhard Walter habe darauf hingewiesen, dass die Mitglieder des Gremiums empört seien, über die Schieflage des Unternehmens nur mangelhaft informiert zu sein. Walter habe diesbezüglich bei Finanzstaatssekretär Manfred Overhaus interveniert.

Böse Stimmen behaupten, dass die Regierung mit den Gerüchte testen wolle, wie die Stimmung unter Anlegern für einen neuen Telekom-Chef sei. Je nach Reaktion wolle sie dann entscheiden. (rs)