Gartner-Prognose

Robotic Process Automation wird Mainstream

21.11.2018
Von 


Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Wegen des Potenzials, damit Kosten zu reduzieren, die Fehlerquote zu senken oder Compliance-Anforderungen leichter zu erfüllen, sagt Gartner dem Thema Robotic Process Automation (RPA) eine glorreiche Zukunft voraus. Allerdings sei der Einsatz von Software-Robotern weder ein Allheilmittel noch ein Selbstläufer, warnt das Marktforschungsinstitut.

Laut der neuesten Prognose von Gartner werden die weltweiten Ausgaben für robotergestützte Prozessautomatisierungs-Software (RPA) 2018 rund 680 Millionen Dollar erreichen. Dies entspricht einem Anstieg von 57 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2022 sollen die RPA-Ausgaben dann schon rund 2,4 Milliarden Dollar erreichen.

RPA wird genutzt, um manuelle Aufgaben schnell und einfach zu automatisieren
RPA wird genutzt, um manuelle Aufgaben schnell und einfach zu automatisieren
Foto: iQoncept - shutterstock.com

"Unternehmen nutzen RPA, um manuelle Aufgaben schnell und einfach zu automatisieren", kommentiert Cathy Tornbohm, Vice President bei Gartner, die Prognose. "Zwar werden manche Angestellte alltägliche Aufgaben auch weiterhin umsetzen, indem sie Daten manuell bearbeiten - setzt man für solche Aufgaben jedoch RPA-Tools ein, sinkt die Fehlerquote, während die Datenqualität gleichzeitig gesteigert wird."

Zu den größten Anwendern von RPA gehören laut Gartner aktuell Banken, Versicherungen, Versorgungsunternehmen und TK-Firmen. "Typischerweise haben diese Unternehmen Schwierigkeiten, die verschiedenen Elemente ihrer Buchhaltungs- und HR-Systeme zusammenzuführen, und setzen RPA-Lösungen ein, um eine bestehende manuelle Aufgabe oder einen bestehenden Prozess zu automatisieren oder die Funktionalität von Altsystemen zu automatisieren", so die Gartner-Analystin.

Die Marktforscher schätzen, dass 60 Prozent der Unternehmen mit einem Umsatz von über einer Milliarde Dollar bis Ende dieses Jahres RPA-Tools nutzen werden. Bis Ende 2022 sollen 85 Prozent der großen und sehr großen Unternehmen eine Form von RPA im Einsatz haben. Tornbohm begründet das erwartete Wachstum zum einen damit, dass der durchschnittliche Preis für eine RPA-Lösung bis 2019 um etwa 10 Prozent bis 15 Prozent sinken soll. Zum anderen würden sich die Unternehmen vom Einsatz der Software-Roboter geschäftliche Vorteile versprechen, wie geringere Kosten, höhere Genauigkeit und bessere Erfüllung von Compliance-Anforderungen.

RPA ist kein Allheilmittel

RPA-Tools imitieren den "manuellen Weg", den ein menschlicher Mitarbeiter geht, um eine Aufgabe zu erledigen. Dazu loggen sie sich in verschiedene Anwendungen ein oder haben sogar ein eigenes E-Mail-Postfach und andere Accounts. Mittlerweile ist am Markt eine ganze Palette von entsprechenden Lösungen erhältlich; diese werden entweder lokal auf einzelnen Desktops betrieben oder laufen auf einem zentralen Server.

Gartner warnt jedoch davor, sich von den möglichen Vorteilen blenden zu lassen und das Thema allzu unbedarft anzugehen: RPA sei keine "One-Size-Fits-All-Technologie" - und in manchen Szenarien erzielten alternative Automationslösungen bessere Ergebnisse. Den besten Mehrwert würden RPA-Lösungen liefern, wenn Unternehmen strukturierte Daten für die Automatisierung bestimmter Aufgaben oder Prozesse benötigen. Außerdem seien die Software-Roboter gut dazu geeignet, Funktionalitäten in Legacy-Systemen hinzuzufügen oder eine Verbindung zu externen Systemen herzustellen, wenn dies mit anderen IT-Lösungen nicht möglich ist.

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