Automatisierte Vermögensverwaltung

Robo-Advisor halten nicht, was sie versprechen

Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
Der traditionelle Bankberater, so scheint es, ist ein aussterbender Beruf. Softwareroboter – sogenannte Robo-Advisor – übernehmen seinen Job. Doch nun gießen Marktforscher Wasser in den Wein: Die digitalen Berater haben noch viele Schwächen.

Die automatisierte, digitale Vermögensverwaltung nach schlauen Algorithmen gilt als Megatrend. Anlagestrategien und Portfolioverwaltung, so versprechen die Anbieter, erfolgen besser nach vordefinierten Regeln als nach der Einschätzung menschlicher Berater. Robo-Advisor gelten als einfach, zuverlässig, kostengünstig und flexibel: Sie scheinen auf jedes Risikoprofil eines Anlegers die richtige Antwort zu finden.

Robo Advisor sind angesagt, aber sie überzeugen laut Studie nur in Teilen.
Robo Advisor sind angesagt, aber sie überzeugen laut Studie nur in Teilen.
Foto: Montri Nipitvittaya, Shutterstock.com

Doch nun sorgt eine aktuelle Untersuchung für Gegenwind: Die einschlägigen Anbieter werden in der Studie "Global Robo-Advisor Benchmarking 2017 - A One-Trick Pony" kräftig gegen den Strich gebürstet. Darin schreibt die unabhängige Marktforschungsgesellschaft MyPrivateBanking Research, die 31 Robo-Advisor aus elf Ländern analysiert hat: "Die digitalen Plattformen der meisten Robo-Advisor sind bislang nicht so weit, dass sie die umfassenden Anforderungen von Investoren und Anlage-Managern wirklich erfüllen können."

Stärken, aber auch viele Schwächen

Bis Ende 2020 sollen weltweit rund vier Billionen Dollar von Robo-Advisor oder sonstigen automatisierten Investment-Plattformen gemanagt werden, heißt es dort. Die Menge der einschlägigen Startups explodiere, und auch die klassischen Banken versuchten mit solchen Angeboten zu punkten. Tatsächlich seien aber die digitalen Fähigkeiten der meisten Robo-Advisor nicht gut genug, um konkurrenzfähig zu sein, urteilt Carmela Melone, Senior Analyst bei MyPrivateBanking Research.

Ihre Meinung ist gefragt!

"In Bereichen wie Onboarding, Finanzplanung sowie Kundenbindung und -Coaching entsprechen die Robos einfach nicht den erforderlichen Standards einer digitalen Vermögensverwaltung", so Melone. Wirklich alarmierend seien aber die mittelmäßigen Resultate, wenn es um mobile Angebote gehe. In der Bewertung der digitalen Plattformen gibt MyPrivateBanking den Robo-Advisor im Durchschnitt 61 Prozent der maximal erreichbaren Punkte. Nur im Bereich Portfolio-Management sieht es besser aus, hier werden 81 Prozent der möglichen Punkte gegeben.

Am besten schneiden Click & Invest, Schwab und Scalable Capital ab

Am besten abgeschnitten haben in dem Test mit jeweils gut 76 Prozent erreichten Punkten die Anbieter Click & Invest (Großbritannien), Schwab Intelligent Portfolios and Intelligent Advisory (USA) und Scalable Capital (Deutschland). Knapp dahinter folgen Moneyfarm, Wealthfront und Vaamo. Die Analysten sagen aber deutlich, dass auch die führenden Anbieter derzeit nicht in der Lage seien, das volle Potenzial automatisierter Investment-Beratung auszuschöpfen.

Die größte Divergenz der Plattformen gibt es demnach im Bereich Kunden-Coaching: Die besten Robo-Advisor kommen hier zwar auf 90 Prozent der erreichbaren Punktzahl, doch der Durchschnitt liegt bei nur 53 Prozent. Insgesamt ist das "Client Coaching" die schwächste digitale Fähigkeit der digitalen Finanzberater. MyPrivateBanking erwartet eine Marktbereinigung. Wer überleben wolle, müsse Folgendes bieten:

  • Top-Angebote von Anfang bis Ende. Der durchschnittliche Robo-Berater erreicht nicht einmal zwei Drittel der Gesamtpunkte über alle Funktionsbereiche hinweg. Portfolio-Management ist nicht genug, die Anbieter müssen mehr bieten als ein "One-Trick-Pony".

  • Personalisierung ein Muss. Viele Online-Investment-Services behaupten zwar, das Private Banking-Erlebnis in den breiten Markt zu bringen, doch die in der Studie zu vergebenden Punkte für personalisierte Inhalte werden nur zu sieben Prozent erreicht. Die Kundenerfahrung im Private Banking basiert auf personalisierten Beziehungen. Plattformen, die hier konkurrieren wollen, dürfen die inhaltliche Seite nicht vernachlässigen.

  • Anbieter sollten eine native mobile App erstellen. Nicht einmal die Hälfte der möglichen Punkte (49 Prozent) werden erreicht, wenn es um iOS- und Android-Apps geht. Sich auf mobile Websites zu verlassen, reicht nicht aus. Der Komfort und die Benutzererfahrung einer nativen mobilen App, die beispielsweise Investitionen überwacht, mit dem Provider Kontakt hält, benutzerfreundliche Messaging-Tools mitbringt und wertvolle Inhalte bereitstellt, ist nicht zu ersetzen.

  • Kundencheck als Schlüsselanforderung: Welches Risiko will ein Kunde eingehen und welches kann er überhaupt eingehen? Das muss die Riskobewertung des Robo-Advisor zweifelsfrei herausfinden. Robo Advisor müssen vor der ersten Investition das finanzielle Verständnis der Interessenten überprüfen und unerfahrene Nutzer aufklären. Kunden sollten keine Anlagen wählen können, die nicht zu ihren Profilen passen.

  • Tools und Services rund um die Finanzplanung werden wettbewerbskritisch. Hier sind die Angebote der Robo Advisor sehr unterschiedlich. Einige finden exzellente Lösungen, andere hinken weit hinterher. Die Finanzplanung wird zum integralen Bestandteil dessen, was Kunden von Robo-Dienstleistungen erwarten.