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Rettungsversuche für KPNQwest gescheitert

24.06.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Insolvenzverwalter des zahlungsunfähigen Carriers KPNQwest sind mit ihren Bemühungen gescheitert, den Netzbetrieb über mehrere Tage hinweg aufrechtzuerhalten: Am vergangenen Freitag wurde ihr Antrag auf eine Freigabe von Millionenbeträgen durch die Gläubigerbanken von einem Amsterdamer Gericht abgewiesen.

Die auf 16 bis 20 Millionen Euro geschätzte Summe sollte dazu dienen, das rund 25.000 Kilometer lange Breitbandnetz noch so lange am Laufen zu halten, bis ein Käufer gefunden ist. Zu diesem Zweck hatten die Konkursverwalter säumige Kunden zur (teilweisen) Begleichung ihrer Schulden aufgerufen. Anschließend weigerten sich Gläubigerbanken aber, das für den Notplan bestimmte Geld freizugeben. Sie verlangten als Gegenleistung eine Sicherheit in Form von einigen Vermögenswerten (Computerwoche online berichtete).

Versuche am Freitag, in letzter Minute neue Kredite zu sichern, blieben erfolglos. Damit ist der Zusammenbruch des von den Telekomkonzernen KPN (Niederlande) und Qwest (USA) gebildeten Unternehmens nach drei Jahren so gut wie besiegelt. Die Konkursverwalter beschlossen, den Betrieb innerhalb weniger Tage einzustellen. Trotzdem wollen sie aber in ihren Bemühungen fortfahren, einen Käufer für das Netz oder Teile davon zu finden. Zu den wichtigsten Interessenten zählt Presseberichten zufolge weiterhin das US-Unternehmen AT&T sowie der niederländische Mutterkonzern KPN.

Obwohl sich die meisten Carrier und Internet-Service-Provider inzwischen auf eine drohende Schließung vorbereitet haben, rechnen Experten mit Auswirkungen auf den Datenverkehr in weiten Teilen Europas. Ungewiss ist derzeit noch, ob von der Schließung auch Ebone betroffen sein wird. Die Mitarbeiter des belgischen Rechenzentrums hatten bislang ihre Bereitschaft erklärt, den Backbone auch unabhängig vom Rest des Netzes weiterzuführen. (mb)