IBM meldet

Red-Hat-Übernahme unter Dach und Fach

11.07.2019
Von 
Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
IBM hat alle Genehmigungen für die im Oktober vergangenen Jahres angekündigte 34 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Red Hat erhalten und meldet nun endgültigen Vollzug. Im Mai 2019 hatte das amerikanische Justizministerium seinen Segen erteilt, Ende Juni gab auch die EU ihre Zustimmung.
Red Hats CEO Jim Whitehurst muss nun an IBM-Chefin Virginia (Ginni) Rometty berichten.
Red Hats CEO Jim Whitehurst muss nun an IBM-Chefin Virginia (Ginni) Rometty berichten.
Foto: IBM

Red Hat soll eigenständig agieren und wie bisher von Jim Whitehurst geführt werden. Er übernimmt einen Sitz in IBMs Senior-Management-Team und berichtet an CEO Ginni Rometty. Gemeinsam wollen IBM und Red Hat die "nächste Generation der Hybrid-Multi-Cloud" gestalten und den Cloud-Markt für Business-Kunden neu definieren, teilen die Unternehmen selbstbewusst mit. Tatsache ist allerdings, dass insbesondere Amazon Web Services (AWS) und Microsoft mit der Azure-Plattform im Cloud-Geschäft weit enteilt sind.

IBM hofft offenbar darauf, mit Red Hats Standing im Markt für Open-Source-Lösungen und Hybrid-Cloud-Technologien bei Business-Kunden punkten zu können, wobei die weltweite Vertriebsorganisation und die tiefe Verwurzelung in vielen vertikalen Märkten helfen sollen. Laut Frank Gens, Senior Vice-President und Chief Analyst des IT-Marktforschungsunternehmens IDC, könnte die Rechnung aufgehen: Um schnell digital zu innovieren und konkurrenzfähig zu bleiben, setzten Unternehmen zunehmend auf Open-Source-Software und verteilte Cloud-Umgebungen.

IDC erwartet, dass Unternehmen in den nächsten fünf Jahren massiv in ihre Cloud-Infrastruktur und darauf aufsetzende Innovationen investieren werden. "Ein großer und weiter steigender Anteil dieser Ausgaben wird in offene Hybrid- und Multi-Cloud-Umgebungen fließen", so Gens. Nur dann sei es realistisch, Anwendungen, Daten und Workloads einfach über eigene Systeme und fremdbezogene Cloud-Umgebungen hinweg zu bewegen und verteilen.

Red Hats Headquarter in Raleigh, North Carolina, soll bestehen bleiben, ebenso die vorhandene Infrastruktur und das gesamte Markenportfolio. Die zugekaufte Softwareschmiede agiert als eigene Geschäftseinheit und wird in den Geschäftsberichten als Bestandteil des Segments Cloud and Cognitive Software ausgewiesen.

Partner-Ökosysteme öffnen sich füreinander

Sowohl IBM als auch Red Hat unterhalten ein weltweites Partner-Ökosystem. Beide haben ihre Netzwerke - die IBM PartnerWorld und Red Hat Partner Connect - für die Partner der anderen geöffnet. Mark Enzweiler, zuständig für den globalen Channel-Vertrieb und Allianzen bei Red Hat, schreibt in einem Blog-Eintrag, dass IBM nicht nur Red Hat, sondern auch ganz bewusst dessen Partnernetzwerk gekauft habe. Die Linux-Entwickler von Red Hat sprächen schon seit Jahren von den Möglichkeiten, die Hybrid-Cloud-Infrastrukturen böten. Mithilfe von IBM und dessen Partnern könne man nun die Visionen verwirklichen und ganz andere, stark skalierende Lösungen bauen.

Enzweiler schreibt, dass Cloud und Service-Provider (CCSPs), Systemintegratoren, unabhängige Softwareanbieter sowie sämtliche Technologiepartner eine wichtige Rolle für Red Hats Zukunft und Strategie spielen sollen. Man werde auch künftig in das Partner-Ökosystem investieren und den "Open-Source-Geist", der sich in Transparenz, Zusammenarbeit, Engagement und Community zeige, weiter beschwören.

Eins plus eins ist mehr als zwei

In einer Q&A-Session haben Paul Cormier, Red Hats Topmanager für Produkte und Technologien, und Arvind Krishna, bei IBM für den Bereich Cloud & Cognitive Software verantwortlich, ihre Erwartungen an die gemeinsame Zukunft beschrieben. Arvind hofft, dass IBM und Red Hat gemeinsam einen weit höheren Beitrag an die Open-Source-Community leisten werden als bisher allein, außerdem sollen IBM-Produkte die künftig auf Red Hat Enterprise Linux und OpenShift aufsetzen, viel besser werden.

KI-Projekte skalieren – so funktioniert‘s!

Cormier betonte die enorme Reichweite, die Red-Hat-Technologien unter dem Dach von IBM erzielen könnten. Man könne nun viel größere Projekte anpacken. Bisher habe Red Hat das bereits als Partner getan, aber als integrierter Konzernbereich gehe hier noch viel mehr. Das Cloud-Business steht laut Cormier noch am Anfang, es handele sich um eine komplexe, schwer zu steuernde Welt mit vielen unterschiedlichen Technologie-Stacks, deren Management alles andere als trivial sei. Gemeinsam hoffen IBM und Red Hat, hierfür die richtigen Lösungen beisteuern zu können.