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RealNetworks emuliert Apples Digital Rights Management

26.07.2004
iPod und iTunes Music Store sind bislang ein geschlossenes System. RealNetworks will dies mit seiner neuen Lösung "Harmony" aufbrechen - auf die Reaktion aus Cupertino darf man gespannt sein.

RealNetworks, das beim legalen Verkauf von Online-Musik mit Apples iTunes Music Store konkurriert, hat eine eigene Technik entwickelt, die das von Apple verwendete Digital Rights Management (DRM) "Fairplay" kopiert. "Harmony" emuliert dieses, so dass im RealPlayer Music Store erworbene Musik sich auch im AAC-Format auf Apple iPod übertragen lässt. Real will die Software in dieser Woche in einer Testversion zum Einsatz bringen und unterstützt dann im Real Music Store sein hauseigenes Format (das nur wenige Abspielgeräte beherrschen), Apples aus MPEG-4 entnommenes AAC sowie Windows Media Audio (das die Player von unter anderem Creative und Samsung wiedergeben).

Real-Chef Rob Glaser erklärte Ende vergangener Woche, seine Firma wolle mit der Neuentwicklung eine "Balkanisierung" des Online-Musikmarkts verhindern. "Es gibt einen Krieg der Formate", so der Real-CEO. "Wir sind sicher, dass der Markt nicht über eine Early-Adopter-Phase hinauskommt, solange dies nicht gelöst ist." Glaser hatte in der Vergangenheit versucht, von Apple eine Lizenz für Fairplay zu erhalten, Apple-Chef Steve Jobs hatte diese Avancen allerdings abgelehnt (Computerwoche.de berichtete).

Kritiker werfen Apple vor, es mache mit dem geschlossenen System aus iPod und iTunes Music Store den gleichen Fehler wie in der Vergangenheit mit seinen Macintosh-Rechnern. Apple, ein früher Marktführer im PC-Markt, entschied sich, Hard- und Software für seine Rechner selbst zu entwickeln. Mit der Zeit verlor es den Markt an Systeme mit Prozessoren von Intel und Software von Microsoft, die preiswerter und für die mehr Anwendungen erhältlich waren. Steve Jobs behauptet allerdings, der Musikmarkt sei anders - was man unter anderem daran sehe, dass Hewlett-Packard den iPod in Lizenz genommen habe und unter eigenem Label verkaufen werde.

Neben dem im Store offerierten AAC unterstützt der iPod zur Sicherheit auch das populäre MP3-Format. Dieses verfügt allerdings über keinerlei DRM-Funktionalität und wird deswegen auch von keinem der neuen kommerziellen Online-Musikläden benutzt.

Bislang ist unklar, wie Apple auf Reals Harmony-Attacke reagieren wird. In Cupertino müsste man sie mit einem lachenden (weitere Ankurbelung der iPod-Verkäufe) und einem weinenden (stärkere Konkurrenz durch den Real Music Store) sehen. Theoretisch könnte Real Networks eine Klage auf Basis des Digital Millennium Copyright Act (DMCA) drohen, da Real wahrscheinlich Apples proprietären Kopierschutz deassemblieren musste, um ihn nachzubilden. Glaser erklärte allerdings, seine Firma habe "exzellente Anwälte", und diese seien sicher, dass Harmony gegen keinerlei Gesetze und Vorschriften verstoße.

Real wird Harmony morgen auf der Konferenz Plug-in von Jupiter in New York erstmals öffentlich demonstrieren. Ebenfalls ab morgen soll eine Vorabversion 10.5 des "Real Player" unter www.real.com/harmony bereitliegen. Später im Jahresverlauf soll die Software in weiteren Musikprodukten von RealNetworks zum Einsatz kommen, darunter auch dem Abonnement-Dienst "Rhapsody". (tc)