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Re-Imaging: Microsoft gibt nach

08.10.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach andauernder Kritik von Anwendern und Analysten hat Microsoft zum zweiten Mal in rund einem Jahr seine Lizenzbestimmungen zum Thema "Re-Imaging" gelockert. Seit dem 1. Oktober 2001 müssen Unternehmenskunden, die im Rahmen des Volume-Licensing-Vertrags "Open" Betriebssysteme von Microsoft beziehen, keine zusätzlichen Gebühren mehr für das so genannte Re-Imaging bezahlen. Bei dieser in Unternehmen weit verbreiteten Praxis wird eine Software- und Hardwarekonfiguration als Standard für alle Mitarbeiter angelegt und auf die Firmen-PCs überspielt. Die auf den Rechnern bereits vorinstallierten Softwareversionen werden dabei gelöscht. Die Computersysteme in Unternehmen werden dadurch einheitlich und lassen sich leichter verwalten.

Bis vor kurzem war es so, dass Microsoft seine Kunden zweimal zur Kasse bat: Einmal mussten die Anwender Rechner mit vorinstallierter Windows-Software kaufen, zum anderen jedoch die Volume-Licensing-Verträge abschließen. Dem Marktforschungsunternehmen Gartner zufolge setzen rund 60 Prozent der Microsoft-Kunden Re-Imaging ein.

Bereits im September 2000 hatte Microsoft seine Lizenzregeln gelockert und es seinen Kunden der Volume-Licensing-Verträge "Enterprise" und "Select" genehmigt, Re-Imaging anzuwenden, ohne eine zusätzliche Gebühr zu zahlen. Allerdings galt diese Regel damals noch nicht für Open-Lizenznehmer, die in der Regel kleinere und mittlere Unternehmen sind. Mit der zweiten Lizenzänderung von vergangener Woche nun können auch Open-Kunden Re-Imaging ohne Aufpreis nutzen, unterliegen jedoch strengen Regeln, was das neue Betriebssystem Windows XP anbelangt. Wollen sie die Software, die am 25. Oktober auf den Markt kommt, installieren, verlangt Microsoft von ihnen die umstrittene "Product Activation". Dabei handelt es sich um einen Mechanismus, der das Betriebssystem bei der Registrierung an einen bestimmten PC bindet. Es lässt sich anschließend nicht mehr als Kopie auf anderen Maschinen verwenden. Das Re-Imaging wird dadurch zu einem komplizierten Prozess.

Gartner rät nun allen bisherigen Open-Kunden, auf Select-Verträge umzusteigen, in deren Rahmen die Product Activation nicht notwendig ist. Select- und Enterprise-Lizenznehmer erhalten ihre Software direkt von Microsoft, während Open-Kunden normalerweise ihre Software und Lizenzen von Computerdistributoren und -händlern erhalten.