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Razzia: EU-Kommission vermutet Preisabsprachen von SRAM-Herstellern

02.11.2006
Die Wettbewerbshüter der EU-Kommission nehmen wegen vermuteter Preisabsprachen Niederlassungen von Herstellern spezieller Speicherchips auch in Deutschland unter die Lupe.

Bereits am 11. Oktober habe es bei dem Elektronikkonzern Samsung in Schwalbach im Taunus eine unangekündigte Untersuchung gegeben, bestätigte Samsung-Sprecher Thomas Arenz der dpa am Mittwoch. "Wir arbeiten in enger Kooperation mit dem Untersuchungsausschuss zusammen", sagte Arenz.

Untersuchungen bei den anderen Herstellern seien ebenfalls am 11. Oktober erfolgt, wie die Brüsseler Behörde mitteilte. Genauere Angaben machte die Kommission nicht. Die so genannten SRAM-Speicherbausteine (Static Random Access Memory) werden weltweit von Unternehmen wie Sony, Samsung, Toshiba und Mitsubishi produziert. Einziger deutscher Hersteller ist die Infineon-Tochter Qimonda, die nach eigenen Angaben allerdings nicht von der Untersuchungsaktion betroffen ist. Qimonda sei von der Behörde bisher weder befragt noch durchsucht worden, sagte ein Sprecher in München der Finanz- Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Die amerikanische Kartellbehörde hat unterdessen eine Untersuchung gegen Sony eingeleitet. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, ermittelt die US-Wettbewerbsbehörde gegen den japanischen Elektronikkonzern ebenfalls wegen möglicher Preisabsprachen im SRAM-Geschäft. Für Sony bedeutet dies eine weitere schwere Belastung. Das Unternehmen hatte erst kürzlich seine Gewinnprognosen für das laufende Geschäftsjahr wegen des jüngsten Akku-Debakels massiv nach unten geschraubt. Das Unternehmen wird die Umtauschaktion nach eigenen Berechnungen voraussichtlich rund 51 Milliarden Yen kosten.

Die Durchsuchungen in Deutschland, an denen auch Beamte der deutschen Kartellbehörden teilnahmen, seien ein vorbereitender Schritt gewesen, hieß es. Er sage nichts über eine mögliche Schuld der betroffenen Firmen aus. SRAM-Speicher werden für einen schnelleren Speicherzugriff im Umfeld von Computerprozessoren (CPU) eingesetzt, da sie besonders schnell und verlässlich arbeiten. SRAMs hätten mit einem Marktvolumen von 2,9 Milliarden Dollar einen vergleichsweise kleinen Anteil am Speichergeschäft und würden von neuen Entwicklungen langsam abgelöst, sagte Arenz. (dpa/tc)