Web

 

Rambus hat Intel mit einer Million Aktien belohnt

29.06.2000
Aktiengeschenke sollen den RDRAM-Markt ankurbeln

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Schon länger wundern sich Branchenkenner über Intels hartnäckiges Engagement für den umstrittenen Speicherstandard RDRAM der kalifornischen Chipschmiede Rambus Incorporated. Nun sind plausible Motive bekannt geworden: Rambus lockt die Chiphersteller seit längerem durch Incentive-Programme mit einer Gesamtbelohnung von 1,4 Millionen Aktien.

Wie die Technologie-Beilage "ASAP" des US-Magazins "Forbes" kürzlich berichtete, hat der Börsenlieblig Rambus bereits 1996 ein Übereinkommen mit Intel getroffen, wonach der Chip-Gigant Teile seiner Produktpalette mit Rambus-Technologie ausstattet. Für Intels Zusage, dass 20 Prozent der verkauften Chipsätze über eine "Rambus DRAM"-(RDRAM-)Schnittstelle verfügen, hat Rambus dem Hersteller aus Santa Clara im Gegenzug eine Million Unternehmensanteile im damaligen Wert von je 10 Dollar geschenkt. Das Unternehmen, das selbst keine Chips fertigt, sondern diese entwickelt und Lizenzen vergibt, hat 1997 ein weiteres Aktienbelohnungsprogramm für Chiphersteller aufgelegt. Teile davon haben LG Semiconductors, Samsung und NEC erhalten. Offen ist derzeit noch eine Belohnung über 70 000 Aktien für die drei Chiphersteller, die zuerst zehn Millionen RDRAM-Chips verkaufen.

Die Beteiligungen werfen ein neues Licht auf die Bemühungen einiger Halbleiterhersteller, den RDRAM-Markt anzukurbeln und somit die derzeit enormen Preise für diesen Speichertyp nach unten zu drücken. Verschiedene Benchmarktests bescheinigen den angeblich überlegenen Rambus-Speicherchips nur unwesentlich bessere Leistungswerte gegenüber den derzeit üblichen PC100-SDRAMs. Interessant sind vor diesem Hintergrund auch die schwelenden Patentstreitigkeiten rund um die von der Industrie als billige Rambus-Alternative favorisierten DDR-Speicher. Während VIA und AMD kurz vor der Einführung von DDR-Chipsätzen stehen, hatten sich Toshiba und Hitachi kürzlich mit Rambus geeinigt, Lizenzgebühren für die Herstellung von DDR-Chips zu zahlen. Rambus besitzt etliche Patente für SDRAM und DDR-SDRAM. Nun befürchten Branchenbeobachter, dass Rambus die gesamte Chipindustrie zu Lizenzzahlungen verpflichten könnte, was DDR-SDRAM deutlich verteuern

würde und dessen Preisvorteil gegenüber RDRAM möglicherweise egalisieren könnte.