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Rätselraten um Mobilcom-Zukunft

13.06.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - France Télécom (FT) hat trotz der Aufkündigung des Kooperationsvertrages (Computerwoche online berichtete) das Kapitel Mobilcom noch nicht ad acta gelegt. Im Gegenteil: Nach einem Bericht in der "Welt" beschäftigt sich der Großaktionär bereits mit Umbauplänen, die unter anderem die Entlassung von rund 1500 der derzeit 5500 Beschäftigten beim Büdelsdorfer Mobilfunkanbieter vorsehen. Außerdem bastelt der französische TK-Konzern an der Aufstellung eines neuen Management-Teams nach der Ablösung des (noch) amtierenden Mobilcom-Chefs und - Gründers Gerhard Schmid. Und nicht zuletzt spricht für ein weiteres Engagement, dass laut Medienberichten nach wie vor Verhandlungen zwischen FT und den

Gläubigerbanken von Mobilcom stattfinden. Sollte der Ende Juli fällige Milliardenkredit nicht umgeschuldet werden, droht dem norddeutschen Unternehmen der Konkurs, die 28,5-prozentige Beteiligung der Franzosen würde drastisch an Wert verlieren.

Der Aufsichtsrat will die von FT geforderte Absetzung Schmids beschleunigen und plant noch vor dem Ende nächster Woche eine neue Sitzung einzuberufen. Bei der Abstimmung am vergangenen Freitag war es Schmid noch gelungen, die für einen Rauswurf nötige Zweidrittel-Mehrheit zu verhindern. Bei einer zweiten Abstimmung genügt jedoch eine einfache Mehrheit zur Abberufung Schmids. Ein aussichtsreiches Unterfangen: France Télécom hält sieben der zwölf Aufsichtsratssitze.

Nach Ansicht der Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (SdW) und anderer kritischer Beobachter war die Kündigung des Kooperationsvertrags ein taktisches Manöver von France Télécom, um durch den Kurseinbruch den Übernahmepreis zu drücken.

Dafür würde sprechen, dass die Franzosen laut Mobilcom keine rechtliche Grundlage für einseitige Auflösung des Vertrags habe. Statt dessen seien in dem Abkommen verschiedene Eskalationsstufen vorgeschrieben. Die Büdelsdorfer drohen nun mit rechtlichen Schritten.

Das Taktieren der Franzosen dürfte in jedem Fall auf Kosten der Kleinanleger gehen - womöglich auch zu Lasten Schmids: Der Firmengründer verlangte bis zuletzt von FT, als Gegenleistung für seinen Rücktritt die rund 50-prozentige Beteiligung an Mobilcom zu übernehmen. Angesichts eines aktuellen Aktienkurses von 7,16 Euro (Donnerstag Mittag) wird es Schmid schwer fallen, die bislang geforderten 22 Euro pro Mobilcom-Anteil durchzusetzen.

Sollte France Télécom wider Erwarten die Unterstützung beenden und tatsächlich denAnteil an Mobilcom verkaufen, bedeutet dies nicht unbedingt das Aus für die Büdelsdorfer. Nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" erwägt der in Hongkong ansässige Investor Hutchison Whampoa einen Einstieg bei Mobilcom. Der Konzern hatte sich bereits im August 2000 an der Seite von E-Plus um einen Zuschlag bei der Versteigerung der UMTS-Lizenzen bemüht, machte dann aber aufgrund der hohen Kosten einen Rückzieher. (mb)