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Qwest-Chef Joseph Nacchio tritt zurück

17.06.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Joseph Nacchio, CEO des angeschlagenen US-Carriers Qwest, ist am Sonntag zurückgetreten. Neben dem Chefsessel räumte Nacchio auch seinen Platz im Director's Board, wird aber vermutlich dem Unternehmen für eine unbestimmte Zeit als Berater zur Verfügung stehen. Zu seinem Nachfolger wurde Richard Notebaert, früherer CEO von Tellabs, bestimmt.

Presseberichten zufolge wurden dem Firmenchef bereits in den vergangenen Monaten immer mehr Entscheidungen von Qwest-Gründer und Chairman Phil Anschutz sowie Board-Mitglied Craig Slater abgenommen. Freitag nacht legte das Board Nacchio schließlich den Rücktritt nahe.

Naccio war Anfang des Monats von den Aktionären wegen seiner im Vergleich zum Vorjahr mehr als sechsfach gestiegenen Bezüge heftig attackiert worden: Während der Kurs der Qwest-Aktie seit Juli 2000 um 92 Prozent von fast 60 auf etwa fünf Dollar gefallen ist, stieg Nacchio's Salär 2001 im Vergleich zum Vorjahr von 4,22 Millionen auf über 27 Millionen Dollar - Aktienoptionen nicht mitgerechnet. Gleichzeitig war der CEO auch für den dramatischen Wertverlust der Qwest-Papiere mitverantwortlich, da Nacchio trotz des Sturzflugs der Aktie eigene Anteile im Wert von 300 Millionen Dollar veräußert hatte.

Der mit 26,6 Milliarden Dollar Schulden beladene TK-Konzern war in den vergangenen Monaten stark unter Druck geraten, nachdem die Kreditwürdigkeit auf den "Junk"-Status zurückgestuft wurde. Gleichzeitig überprüft die US-Börsenaufsicht SEC, ob Qwest in den Jahren 2000 und 2001 seine Umsätze durch den Tausch von Kapazitäten mit anderen Carriern künstlich aufgebläht hat (Computerwoche online berichtete). Seit dem Stopp der umstrittenen Tauschgeschäfte stagniert das Wachstum von Qwest. (mb)