Arbeitszufriedenheit

Quiet Quitter machen sich unbeliebt

18.01.2023
Von 
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Mitarbeiter, die nur Dienst nach Vorschrift betreiben, neudeutsch Quiet Quitting genannt, machen sich bei ihren Kollegen besonders unbeliebt, wie eine aktuelle Untersuchung zeigt.
Die einen wollen im Team etwas bewegen, den anderen reicht Dienst nach Vorschrift. "Beste" Voraussetzungen für Konflikte, wie eine aktuelle Untersuchung zeigt.
Die einen wollen im Team etwas bewegen, den anderen reicht Dienst nach Vorschrift. "Beste" Voraussetzungen für Konflikte, wie eine aktuelle Untersuchung zeigt.
Foto: fizkes - shutterstock.com

In jedem Job gibt es wohl solche und solche: Die einen, die stets ein Quäntchen über ihre Jobanforderungen hinaus arbeiten, und diejenigen, die pünktlich fünf Minuten vor Feierabend den Stift fallen lassen, ob die Arbeit erledigt ist, oder nicht.

Für letzteres wurde 2022 der Begriff "Quiet Quitting" geprägt, der eine Grundhaltung zur Arbeit beschreibt, bei dem man lediglich genau so viel arbeitet, wofür man bezahlt wird, nicht mehr und nicht weniger. Doch wie wirkt sich "Quiet Quitting" auf das Teamwork aus? Mit einer repräsentativen Umfrage wollte die Jobplattform Monster in Zusammenarbeit mit YouGov Deutschland genau dieser Frage nachgehen, und zudem ein Bild davon bekommen, wie zufrieden Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit ihrem Arbeitgeber sind.

Quiet Quitting beeinflusst Teamkultur

Treffen im Team "Quiet Quitter" auf "High Performer", wird die ungleich verteilte Arbeitslast umso deutlicher. Wie reagieren engagierte Kollegen? Jeder Dritte ist genervt und gestresst davon, wenn sie die Arbeit von weniger engagierten Kollegen mit auffangen müssen, um im Job Fortschritte zu machen und beispielsweise ein Projekt fristgerecht abzuschließen. Mit dem Alter und der Berufserfahrung zieht allerdings mehr Gelassenheit ein: Während sich sogar 39 Prozent der 18- bis 24-Jährigen darüber aufregen, tun dies nur noch 29 Prozent der 45- bis 54-jährigen Erwerbstätigen. Ganz gleichgültig ist "low performing" von Kollegen laut der Umfrage nur 16 Prozent.

Immerhin die Hälfte der Befragten versucht eine gemeinsame, faire Lösung zu finden und mit betreffenden Teammitgliedern ins Gespräch zu gehen. Dieser diplomatische Ansatz liegt Frauen (54 Prozent) tendenziell etwas mehr als Männern (47 Prozent) und gewinnt mehr Anhänger mit zunehmendem Alter: Sind es 47 Prozent der 18- bis 24-Jährigen, die nach einer gemeinsamen Lösung suchen, tun dies 55 Prozent der über 55-Jährigen.

Doch auch der Weg zu Vorgesetzen mit einer Beschwerde ist für rund jeden zehnten Erwerbstätigen das Mittel der Wahl. Männliche Kollegen beschweren sich dabei häufiger (14 Prozent) als Frauen (neun Prozent). Berufseinsteiger sind da noch deutlich zurückhaltender als die "alten Hasen": Nur fünf Prozent der 18- bis 24- Jährigen gegenüber 12 Prozent der 45- bis 54-Jährigen wenden sich an die Chefetage.

Männer nutzen Mehrarbeit eher als Argument für mehr Gehalt

Frauen fühlen sich grundsätzlich mehr davon unter Druck gesetzt, wenn sie die Arbeit von anderen Kollegen noch mit auffangen müssen. 31 Prozent der weiblichen Befragten reagieren genervt und gestresst, gegenüber 28 Prozent der Männer. Männliche Erwerbstätige nutzen ein sichtbares Leistungsgefälle sogar eher für ihren eigenen Vorteil: So würde knapp jeder Vierte (23 Prozent) bei der nächsten Gehaltsverhandlung die eigene Mehrleistung entsprechend hervorheben. Frauen sind da zurückhaltender, nur 14 Prozent würden dieses Argument in der Gehaltsverhandlung anbringen.

"Dass weibliche Angestellte diplomatischer und mehr auf eine gemeinsame Teamkultur bedacht sind als Männer, hat diese Umfrage erneut deutlich gemacht. Dies erleben wir häufig auch schon im Bewerbungsgespräch", so Laetitia Boidevaix, Head of Marketing DACH bei Monster. Mit zunehmendem Alter und damit mit wachsender Erfahrung erkennen die Befragten immer mehr, dass ihre eigene Leistung in der Verhandlung zählt.

Gefeiert wird Quiet Quitting eher nicht

Doch könnte man sich nicht von Quiet Quittern auch eine Scheibe abschneiden? Ist es nicht sogar ratsam, nicht über die Grenzen zu gehen, um frühzeitiger Erschöpfung oder gar Burnout vorzubeugen? Erstaunlich wenige Befragte bewundern laut der Umfrage die innere Haltung der Quiet Quitter: nur sieben Prozent.

Die jungen Berufstätigen haben dabei am wenigsten für den Dienst nach Vorschrift übrig - drei Prozent der 18- bis 24-Jährigen. Im typischen Midlife-Crisis-Alter von 35 bis 44 finden sich mit acht Prozent die meisten Bewunderer der abgeklärten Arbeitshaltung - eigentlich kein Wunder, da hier Karriere, Familienplanung und Carearbeit für die ältere Generation aufeinanderprallen und wenig Energie für die Extrameile übrig bleibt.

Gute Weiterempfehlungsquote für eigenen Arbeitgeber

Wer am Arbeitsplatz zufrieden ist, empfiehlt den Arbeitgeber auch Freunden und Bekannten weiter. Und das sind laut der Monster-Umfrage immerhin 59 Prozent. Jeder Fünfte würde sogar uneingeschränkt eine Empfehlung aussprechen. Zehn Prozent der befragten Erwerbstätigen sind jedoch so unzufrieden, dass sie ganz und gar von ihrem Arbeitgeber abraten würden.

"Ein Grund für Quiet Quitting kann in Unzufriedenheit am Arbeitsplatz begründet sein. Hiervon scheint die Mehrheit der Deutschen laut der Umfrage zumindest nicht betroffen zu sein", so Monster-Managerin Boidevaix. Dennoch sollten Unternehmen solche Strömungen gut im Blick haben, denn die Gefahr besteht, dass die unzufriedenen, mit Mehrarbeit belasteten Mitarbeiter abwandern und sich einen neuen Arbeitgeber suchen. Gerade in Engpassbranchen mit Fachkräftemangel könne sich das kein Unternehmen leisten.

Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 2.040 Personen zwischen dem 23. und 25.11.2022 teilnahmen, davon 1.021 Erwerbs-/Berufstätige. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.