Weitere Neuheiten in der Pipeline

Quadra 950 ist um 30 Prozent schneller als Vorgängermodell

29.05.1992

CUPERTINO (CW/IDG) - Apples Macintosh-Familie hat ein neues Oberhaupt: Der "Quadra 950", ein Macintosh. Rechner mit Motorolas schnellstem 68040-Prozessor (Taktfrequenz 33 Megahertz), ersetzt den Quadra 900, das erst im vergangenen Oktober eingeführte bisherige Spitzenmodell, das die 25-Mhz-Ausführung des 68040-Chips antreibt.

Der neue Big-Mac ist zwar weitgehend baugleich mit seinem Vorgänger, doch sorgt das flinke Rechenwerk und ein um rund 25 Prozent schnellerer I/O-Bus für eine um etwa 30 Prozent höhere Systemleistung. Etwa 29 Millionen Befehle pro Sekunde verarbeite der Mac-Tower, so Vito Salvaggio, der Produkt-Manager für den 950. Mit dieser Leistung eignet sich Apples neuer Computer in erster Linie als Server, DTP- und Grafik-Maschine. Das neue Spitzensystem kommt mit eingebautem Ethernet-Anschluß und Ton-Ein- und -Ausgabe. Die integrierte 24-Bit-Grafikkarte stellt auf Bildschirmen mit einer Diagonale von bis zu 16 Zoll 16,7 Millionen Farben dar, auf größeren Monitoren knapp 33 000 Farben.

Das neue System ist a sofort erhältlich. Der Quadra 950 kostet in der Grundausstattung mit 4 MB Arbeitsspeicher und einem Diskettenlaufwerk 17 500 Mark, mit einer 230-MB-Festplatte 20 000 Mark, mit einer 400-MB-Platte 22 000 Mark. Diese Preise liegen um 1000 Mark über denen der entsprechenden 900er Modelle. Quadra-900-Besitzer können ihren Rechner zum 950 aufrüsten. Der deutsche Preis der dafür erforderlichen Platine steht noch nicht fest; in den Vereinigten Staaten verkauft Apple sie in diesem Jahr für 1500 Dollar, ab 1993 für 3000 Dollar.

Salvaggio gibt sich optimistisch, daß Motorola die Top-Ausführung des 68040-Prozessors in Stückzahlen liefern könne, so daß bei der Verfügbarkeit des 950er Modells keine Engpässe auftreten, "es sei denn, unsere Vorhersagen unterschätzen den Absatz gründlich".

Doch so groß kann die Stückzahl, in der die 68040/33-CPU Motorolas Werkshallen verläßt, nicht sein, denn sonst hätte das kalifornische Unternehmen wohl auch den kleineren Quadra 700 in einer neuen Ausführung mit mehr Power angeboten. Das Herz der kleineren Ausführung des 900ers ist ebenfalls ein 25-Mhz-68040. Stattdessen senkten die Mac-Manager den Preis der verschiedenen 700er Modelle um bis zu neun Prozent. Die Grundversion des Quadra-Tischrechners kostet in den Vereinigten Staaten jetzt noch 5200 Dollar, mit einer 400-MB-Platte 7200 Dollar.

Auf der "Worldwide Developer Conference", die im kalifornischen San José stattfand, sagte Apple-Boß John Sculley, daß der Quadra 950 nicht die letzte Macintosh-Neuheit sei, die Apple in diesem Jahr auf den Markt bringen werde.

Ende Mai wird Sculleys Unternehmen den "Apple Intelligent Assistant" vorstellen, Apples ersten Notepad-Computer, der mit einem Stift bedient wird und Anfang 1993 zum Preis von etwa 700 Dollar auf den Markt kommen soll (siehe Seite 25).

Außerdem kündigte Sculley neue Macintosh-Notebooks an. Die "Powerbooks 140" und "170" würden in besserer Ausstattung herausgebracht, auch ein Farb-Notebook sei in Vorbereitung. Beobachter meinen, daß die nächste Generation des 140er und des 170er Powerbooks unter anderem mit einem Videoausgang für Bildschirme ausgestattet sein könnte. Als Einführungstermin für die neuen Produkte peilt Sculley das erste Quartal 1993 an, aber nach Gerüchten könnten zumindestens die aufgepeppten Versionen des 140ers und des 170ers schon Ende dieses Sommers erhältlich sein. Auf ein Powerbook plus Docking-Station, über das schon länger Gerüchte kursieren, ging der Apple-Chef nicht ein.

Ein weiterer Erlkönig ist eine farbfähige Ausführung des "Classic II", die ursprünglich erst 1993 in die Läden kommen sollte. Doch jetzt überlegen die Apple-Oberen, ob der Rechner nicht doch schon Ende Herbst dieses Jahres erscheinen soll. Für Weihnachten stehen jedenfalls zwei Multimedia-Macs mit eingebautem CD-ROM-Laufwerk auf dem Programm, die möglicherweise sowohl den Mac "IIsi" als auch den "IIci" ersetzen könnten. Beide Rechner sollen mit einem 68030-Prozessor ausgestattet sein. Eines der beiden Modelle dürfte - billiger und mit abgespeckter Ausstattung - auf den Massenmarkt zielen, das andere auf den traditionellen Anwender.