Berufseinstieg in der IT

Punkten mit Praxis und Persönlickeit

17.11.2009
Von 
ist freier Journalist in München

Der unvorbereitete Kandidat

Ansgar Kinkel, Cirquent: 'Wir suchen nach wie vor Berater.'
Ansgar Kinkel, Cirquent: 'Wir suchen nach wie vor Berater.'
Foto: Ansgar Kinkel

Umgekehrt gibt es immer noch viele Bewerber, die zu nachlässig sind oder unangemessene Forderungen stellen. Schoon beobachtet, dass sich Kandidaten immer weniger Zeit für die Vorbereitung eines Interviews nehmen. "Heute ist Absolventen oft der Respekt vor dem Berufseinstieg abhandengekommen, nicht zuletzt weil sie von vielen Firmen über Gebühr hofiert werden." Laut Kinkel von Cirquent würden junge Bewerber ohne nennenswerte berufliche Erfahrungen den Bewerbungsprozess überstürzt und mit abwegigen Erwartungen angehen. "Nicht zuletzt in der Krise legen wir Wert darauf, dass die Gehaltswünsche sich in vernünftigem Rahmen bewegen und Entscheidungen überlegt getroffen werden."

Halten wir fest: IT-Kräfte, die Spezialwissen durch Schlüsselqualifikationen und interdisziplinäre Erfahrungen ergänzen, werden immer wichtiger für Unternehmen. "Der Workflow-Spezialist kennt sich mit der Ablauf- und Aufbauorganisation aus", beschreibt Elisabeth Heinemann, Informatikprofessorin von der Fachhochschule Worms, diesen Trend. "Ein SAP-Berater überzeugt, weil er mit Fachbereichen kommuniziert und betriebswirtschaftlich argumentiert."

Nicht alle wollen den Bachelor

Und an diesem Anforderungsprofil scheitern, das berichten zumindest einige Personaler, viele Bachelor-Absolventen. Auch wenn sie nicht leisten können, was einem IT-Experten mit einigen Jahren Berufserfahrung abverlangt wird, sind Bewerber erwünscht, die, wie Personaler Schoon verlangt, eigenständig Probleme bewältigen und sich gut organisieren können. Seit der Umstellung auf Bachelor und Master würden Studenten jedoch eher durchs Studium hasten, als sich Lösungen auf eigene Faust zu erarbeiten.

Diese Einschätzung teilt Cirquent-Personaler Kinkel. Für ihn liegt die Wurzel des Übels im extrem komprimierten Lernstoff. Eingezwängt in ein enges Studienkorsett, hätten Bachelor-Studenten kaum Zeit, um fachliche Schwerpunkte auszuloten und praktische Erfahrungen zu sammeln. Für Access-Beraterin Schlomann, die pro Jahr Hunderte Bewerbungen gründlich prüft, sind die Aussichten auf einen Karriereeinstieg für Bachelor-Absolventen derzeit ziemlich mau: "Anwender wie IT-Unternehmen entscheiden sich eher für Absolventen mit Master und Diplom, weil es Bachelors noch an technischer Tiefe und praktischen Erfahrungen mangelt."

Freilich gibt es auch positive Nachrichten für die relativ neue Absolventengeneration. Bei CAS werden sie als ebenbürtige Wettbewerber gegenüber Master- und Diplom-Absolventen eingestuft. "Wir machen keinen Unterschied", sagt Personaler Kleinhans. Wichtig sei allein, ob der Bewerber mit seinen Soft Skills und praktischen Erfahrungen punkten könne. Und hier könne der Bachelor unter einer Voraussetzung sogar die Nase vorn haben: "Zwar pauken Bachelor-Studenten mehr", räumt Kleinhans ein. "Jedoch kompensieren einige die Verschulung durch eine vorgelagerte Ausbildung. Das überzeugt Arbeitgeber."

Elisabeth Heinemann, FH Worms: 'Bewerber sollten unbedingt über den Tellerand der eigenen Ausbildung schauen.'
Elisabeth Heinemann, FH Worms: 'Bewerber sollten unbedingt über den Tellerand der eigenen Ausbildung schauen.'
Foto: Dieter Meyer

Doch auch Bachelor-Normalos müssen nicht den Kopf in den Sand stecken. Für Professorin Heinemann ist jeder im Vorteil, der "über den Tellerrand hinausschauen" will. Selbst wenn im Bachelor-Studium wenig Zeit dazu bleibe, könne jeder Student ein interdisziplinäres Wahlpflichtfach belegen und sich Branchenkenntnisse aneignen. Das komme bei Unternehmen an: "Absolventen haben eine Idee davon, wie sie sich zum Beispiel als IT-Kraft bei BMW einbringen können."

Access-Beraterin Schlomann rät Bachelor-Studenten lieber, noch den Master dranzuhängen. Wer unbedingt früher in den Beruf einsteigen wolle, sollte zumindest ein sechsmonatiges Praktikum absolviert oder als Werkstudent Einblick in die IT-Welt gewonnen haben. Zumindest Heinemanns Studenten scheinen das beherzigt zu haben. Alle Absolventen des ersten Bachelor-Jahrgangs hätten sofort eine Stelle gefunden: "Einer hat seine Abschlussarbeit über multikulturelles Projekt-Management geschrieben und ist von einem IT-Beratungsunternehmen gleich als Junior-Projekt-Manager eingestellt worden."