Celonis Celosphere 2020

Process Mining mit mehr Intelligenz

29.04.2020
Von 
Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
Mit seiner Process AI Engine und seinen Operational Apps will der Münchner Process-Mining-Spezialist Celonis Reibungsverluste in Business-Prozessen nicht nur aufspüren, sondern auch gleich automatisiert beseitigen.

Das Münchner Startup Celonis steuert weiter auf Erfolgskurs. Zum Auftakt der digital veranstalteten Hausmesse Celosphere (läuft noch bis 30. April) sagte Mitgründer Alexander Rinke vor 15.000 Zuhörern aus aller Welt, Celonis sei 2019 um 130 Prozent gewachsen und werde inzwischen mit 2,5 Milliarden Dollar bewertet.

Rinke ging zunächst auf die Corona-Krise ein: Mit drei Anwendungen leiste sein Unternehmen einen Beitrag dazu, dass Kunden die angespannte Situation besser bewältigen könnten. Zum einen gehe es um die proaktive Überwachung globaler Zulieferketten: Unternehmen könnten mit der App "Supply Chain Reliability" erkennen, wo es Probleme in der weltweiten Supply Chain gebe, welche Lieferanten Probleme hätten und wie es um den Status ihrer Aufträge bestellt sei.

Alexander Rinke, Co-CEO und Mitgründer von Celonis und Hala Zeine, Chief Product Officer, stellten auf der digitalen Hausmesse Celosphere 2020 die neuen Produkte vor.
Alexander Rinke, Co-CEO und Mitgründer von Celonis und Hala Zeine, Chief Product Officer, stellten auf der digitalen Hausmesse Celosphere 2020 die neuen Produkte vor.
Foto: Celosphere / Facebook

Zwei weitere Apps dienen der Liquiditätssicherung. Im Mittelpunkt steht die Bemühung, Zahlungsprozesse zu optimieren, um beispielsweise Außenstände zu reduzieren, doppelte Rechnungen zu vermeiden sowie den Rechnungsprozess insgesamt in Echtzeit zu verfolgen und zu überwachen. Celonis will Unternehmen auch dabei helfen, den richtigen Zeitpunkt für Zahlungen zu finden, indem Skonto-Möglichkeiten optimal genutzt oder Zahlungstermine zeitlich so geplant werden, dass es für Unternehmen am günstigsten ist. Rinke sagte, die Anwendungen würden bereits von 125 Unternehmen genutzt, darunter Schwergewichte wie Reckitt Benckiser, ABB oder Avnet.

Celosphere 2020: Prozessdigitalisierung meets KI

Vor allem nutzten die Münchner aber ihre digitale Bühne, um die neueste Generation ihrer KI-gestützten Plattform für Process Mining und Process Excellence vorzustellen. Kunden sollen künftig sogenannte Operational Apps entwickeln, die neben der Prozessanalyse auch die automatisierte Beseitigung von entdeckten Reibungsverlusten ermöglichen soll. Dazu wurden erste Apps für Kreditorenbuchhaltung und das Materialmanagement in der Supply Chain präsentiert.

Die Operational Apps kombinieren den Process-Mining-Ansatz von Celonis mit Künstlicher Intelligenz (KI) und Automatisierung. Unternehmen sollen zunächst Probleme in ihren Geschäftsabläufen aufspüren und dann in Echtzeit mit intelligenten Maßnahmen gegenwirken. Funktionieren soll das auf der Grundlage der neuen "Celonis Process AI Engine". Sie soll helfen, Prozessdaten, die sich in Quellsystemen und auf Desktops verbergen, zu analysieren, um Blockaden beim Erreichen bestimmter KPIs aufzuspüren. Machine-Learning-Algorithmen entdecken demnach die Anomalien und empfehlen umgehend Maßnahmen zu deren Beseitigung. Dazu ziehen sie präkonfigurierte Empfehlungen heran, die - automatisiert oder von Anwendern "auf Knopfdruck" - in Aufgaben übersetzt werden.

Mit den Operational Apps sollen sich demnach ganz bestimmte Prozesse digitalisieren und optimieren lassen. Um das zu ermöglichen, sorgt Celonis für Konnektivität: Daten aus Quellsystemen wie SAP, Salesforce oder ServiceNow lassen sich laut Hersteller in Echtzeit extrahieren und analysieren. So werden im Idealfall Reibungsverluste erkannt und prozessbegleitend mit kontextbezogenen Aktionen beseitigt. Auf der Celosphere hat das Startup seinen Kunden gezeigt, wie sie selbst solche Operational Apps auf der Plattform entwickeln können.

Celonis plant, neben den beiden verfügbaren Apps für Kreditorenbuchhaltung und Materialmanagement in der Supply Chain im Laufe des Jahres weitere Anwendungen für Beschaffung, Debitorenbuchhaltung, Opportunity Management, Kundendienst und einige branchenspezifische Anwendungsfälle herauszubringen. Um die Kunden nicht allein zu lassen, sollen künftig "Celonis Value Architects" bereitstehen, die zusammen mit den Kunden Use Cases identifizieren, nach zu hebenden Schätzen suchen und Anwender sowie Berater anlernen sollen.