Pressespiegel

24.03.1995

Die "Wirtschaftswoche" Nr. 12 vom 16. Maerz 1995 sieht Zeichen fuer einen drohenden Absturz der SAP AG. Auszug aus dem Bericht mit der Ueberschrift "Wie Lemminge":

Immer mehr Kunden des deutschen Software-Stars SAP klagen ueber veraltete Technologie, hohe Kosten und aufwendige Installation. Geht's von nun an bergab?

(...) Die deutsche Wirtschaft ist fest in SAP-Hand. Doch in den vergangenen Monaten mehrten sich die Klagen ueber den Marktfuehrer bei Betriebssoftware. Und die Kritik wird immer lauter und haerter: "Die SAP-Technologie ist im Kern veraltet", urteilt Wirtschaftsinformatiker Joachim Griese, Professor an der Universitaet Bern. Alles, was in der Computerszene derzeit als zukunftstraechtig gilt, suche man in den SAP-Systemen vergeblich: Objekt- und Prozessorientierung, schlanke, flexible und offene Systeme, Softwareergonomie. Dafuer bluffe R/3 mit der elegantesten Bedienerfuehrung ("Oberflaeche"), die derzeit zu haben ist.

Ursache des Dilemmas: Das 1992 auf den Markt gebrachte System R/3 ist nicht neu entwickelt worden. Das Konzept uebernahmen die Softwareingenieure vom Vorlaeufermodell R/2. Das aber stammt aus der zentralistischen Welt der Grossrechner. (...) Drastischer noch faellt das Urteil eines Unternehmensberaters aus, der lieber anonym bleiben moechte: "R/3 ist eine Nachgeburt der Mainframe-Zeit." (...)

Der Vertrieb der SAP-Systeme laeuft ueber sogenannte Logo-Partner wie Ploenzke, Debis, Price Waterhouse, Andersen Consulting, Coopers & Lybrand. Die extremen Beratungskosten - Siemens Medizintechnik hat dafuer rund 20 Millionen Mark kalkuliert - fuellen ihre Kassen. Nach aussen geben sich die Berater unabhaengig, intern jedoch halten sie nur SAP-Spezialisten vor. Wo der Auftrag landet, ist klar. "Wir hatten die Anweisung, den Kunden in Richtung SAP zu beraten", berichtet ein ehemaliger Ploenzke- Mitarbeiter. Wer einmal in die Faenge des Kluengels aus SAP, Hardwareproduzenten und Beratern geraten ist, kommt so schnell nicht mehr heraus.