Public-Cloud-Markt

Platform as a Service erlebt einen Boom

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Big Data / Analytics und Digitale Transformation.
Die Umsätze im weltweiten Markt für Public-Cloud-Dienste sind im ersten Halbjahr 2017 um 29 Prozent gestiegen, berichtet IDC. Mit einer Wachstumsrate von mehr als 50 Prozent entwickelt sich das Segment Platform as a Service (PaaS) am schnellsten.

Für die erste Jahreshälfte hat IDC in seinem Semiannual Public Cloud Services Tracker ein Umsatzvolumen von 63,2 Milliarden Dollar ermittelt. Der Wert liegt leicht über den Vorhersagen des Marktforschungs- und Beratungshauses. Mit einem Umsatz von 8,6 Milliarden Dollar bildet PaaS zwar das kleinste Segment im Public-Cloud-Markt, wächst aber deutlich schneller als Infrastructure as a Service (IaaS) und Software as a Service (SaaS).

PaaS-Angebote stellen Softwareentwicklern Tools zur Verfügung, mit denen sie Anwendungen schneller entwickeln und ausrollen können.
PaaS-Angebote stellen Softwareentwicklern Tools zur Verfügung, mit denen sie Anwendungen schneller entwickeln und ausrollen können.
Foto: Gonzalo Aragon - shutterstock.com

"Das Vordringen von Container-Techniken im PaaS-Segment hat Entwicklern zusätzliche Tools beschert, um Anwendungen schneller zu entwickeln und auszurollen", kommentiert Larry Carvalho, Research Manager bei IDC, die Zahlen. Alle großen Anbieter seien dabei, Automation-Features in den Anwendungs-Lebenszyklus einzubauen. Softwareentwickler honorierten solche Bemühungen und bevorzugten Player, die auf diesem Feld besonders weit sind.

Auch strategische Anwendungen wandern in die Cloud

Das umsatzstärkste Cloud-Segment mit 43,2 Milliarden Dollar und einem Anteil von 68,7 Prozent am Gesamtmarkt bleibt SaaS. Allerdings wuchsen die Umsätze mit Software as a Service im Jahresvergleich nur um knapp 23 Prozent und damit langsamer als in anderen Bereichen. "Unternehmen verfolgen heute eine Cloud-first-Strategie", beobachtet Eric Newmark, Program Vice President bei IDC für den Bereich SaaS. Der Nutzen solcher Dienste sei mittlerweile klar erkennbar und in den meisten Branchen nachgewiesen. Newmark: "Viele Unternehmen haben sich zunächst auf Anwendungen konzentriert, die sich einfach in die Cloud migrieren lassen. Jetzt prüfen sie, wie sich strategische Systeme wie ERP oder Supply-Chain-Management auf ein SaaS-Modell umstellen lassen."

Anhaltend hohe Wachstumsraten erzielen die Cloud-Provider mit Infrastructure as a Service. Die Umsätze in diesem Segment stiegen um gut 38 Prozent auf 11,2 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Anteil von knapp 18 Prozent am Gesamtmarkt. Vor allem nordamerikanische Player wie AWS, Microsoft, Google und IBM dominieren den Markt. Aus dem asiatisch-pazifischen Raum nennt IDC unter anderem Huawei, Alibaba und Fujitsu als bedeutende Anbieter. Die Analysten heben vor allem jüngere Angebote wie Azure Stack und VMware Cloud on AWS als Wachstumstreiber hervor. Diese erleichterten es Unternehmen, hybride IT-Modelle aufzusetzen und Hindernisse auf dem Weg in die Cloud aus dem Weg zu räumen.

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Das insgesamt starke Wachstum im Public-Cloud-Markt erklärt IDC-Chefanalyst Frank Gens so: "Die Cloud hat sich in den vergangenen 24 Monaten zur Startrampe fast jeder IT-Innovation entwickelt." Dazu gehörten Technologien wie Künstliche Intelligenz, Blockchain oder auch Quantencomputer. Organisationen, die sich nicht mit der Public Cloud beschäftigten, würden in Sachen Innovationen zunehmend ins Hintertreffen geraten.

Amazon Web Services dominiert weiter den Cloud-Markt

Die dominierende Rolle von AWS belegt auch eine Studie der Synergy Research Group, die den Markt für Cloud Infrastructure Services beleuchtet. Dazu gehören neben SaaS, PaaS und IaaS auch Hosted Private Cloud Services. Für das Jahr 2017 rechnen die Auguren mit einem Umsatzwachstum von 40 Prozent. "Es ist fast etwas erschreckend, dass eine Organisation in der Größe von AWS seine Umsätze weiterhin um mehr als 40 Prozent steigern kann", kommentiert John Dinsdale, Chief Analyst und Research Director bei Synergy Research. Zwar legten Microsoft, Google und Alibaba im abgelaufenen dritten Quartal sogar etwas stärker zu als AWS. Doch der Marktführer ist gemessen am Umsatz noch immer größer als die fünf stärksten Verfolger zusammen.

Gemessen am Umsatz ist Amazon Web Services im Cloud-Markt größer als die fünf stärksten Verfolger zusammen.
Gemessen am Umsatz ist Amazon Web Services im Cloud-Markt größer als die fünf stärksten Verfolger zusammen.
Foto: Synergy Research Group

IBM konnte seine Position als drittgrößter Cloud-Provider nach AWS und Microsoft behaupten. Dia Analysten führen das vor allem auf die starke Präsenz im Segment Hosted Private Cloud Services zurück. Zu den acht führenden Anbietern im Markt für Cloud Infrastructure Services zählen sie auch Oracle. Dem Datenbankriesen gelang es, seine Cloud-Umsätze deutlich zu steigern, wenngleich die Ausgangsbasis vergleichsweise klein war. Daneben schaffen es auch Salesforce und Rackspace als "starke Nischen-Player" unter die Top 8.