Biometrische Security

Pindrop verhindert Telefonbetrug



Simon Hülsbömer betreut als Senior Project Manager Research Studienprojekte in der IDG-Marktforschung. Zuvor verantwortete er als Program Manager die Geschäftsentwicklung und die Inhalte des IDG-Weiterbildungsangebots an der Schnittstelle von Business und IT - inhaltlich ist er nach wie vor für das "Leadership Excellence Program" aktiv. Davor war er rund zehn Jahre lang als (leitender) Redakteur für die Computerwoche tätig und betreute alle Themen rund um IT-Sicherheit, Risiko-Management, Compliance und Datenschutz.
Mit innovativen Technologien zur Stimmerkennung hilft das US-Unternehmen Pindrop Security, Betrugsversuche per Telefon zu verhindern.

Das 2011 gegründete Unternehmen Pindrop hat im Bereich Phone- und Voiceprinting Technologien entwickelt, mittels der sich spezifische Merkmale jedes Telefonanrufs identifizieren lassen - von der Anrufererkennung mittels Stimmabdruck, dem Ort, der Anrufinfrastruktur, über das Endgerät, von dem der Anruf ausgeht, der Art und Weise der Tastatureingabe bis hin zu der Frage, ob das Unternehmen mit dem betreffenden Telefon schon einmal kontaktiert wurde. "Zusammengenommen können diese Informationen helfen, betrügerische Aktivitäten zu erkennen, bevor sie zum wirklichen Problem werden", erklärte Pindrop-Europachef Jürgen Vollmer jüngst auf dem Cybersecurity-Seminar von COMPUTERWOCHE, CIO und Fraunhofer AISEC (IDG Executive Education).

Jürgen Vollmer von Pindrop stellte die Technologie auf dem Cybersecurity-Seminar von IDG Excecutive Education vor.
Jürgen Vollmer von Pindrop stellte die Technologie auf dem Cybersecurity-Seminar von IDG Excecutive Education vor.

Mit entsprechenden Mitteln ist es Betrügern heutzutage ein leichtes, Stimmen zu verfremden und sich auf diesem Wege Daten zu beschaffen, Banktransaktionen vorzunehmen (Stichwort CEO Fraud) oder Sprachassistenzsysteme zu manipulieren. "Allein im vergangenen Jahr ist weltweit ein über das Telefon initiierter Schaden in Höhe von 14 Milliarden Dollar entstanden. Besonders gefährdet sind Call Center, Banken und Versicherungen", so Vollmer.

Pindrop hat sich deshalb dem aus Security-Sicht bisher eher stiefmütterlich behandelten Telefonkanal angenommen und Techniken entwickelt, dort bestehende Schwachstellen zu kontrollieren und abzusichern. Viele der größten Banken, Versicherungen und Retailer in den USA setzen Pindrop bereits ein - in Europa gehört die Lloyds Bank of England zu den ersten Kunden.

Patentierte Security-Forschung

Pindrops Produkt "Pindrop Passport" ist eine Multi-Faktor-Authentifizierungslösung, die Anrufer passiv anhand ihrer Stimme, ihres Geräts und ihres Verhaltens identifiziert, während diese mit einem Callcenter sprechen. Das Ganze basiert auf drei patentierten Technologie-Engines: Erstens der Biometrie-Engine "Deep Voice", die einen Anrufer auch dann noch erkennen kann, wenn dieser nur kurze, befehlsähnliche Äußerungen von sich gibt, die Verbindungsqualität schlecht ist oder Angriffsvektoren mit Stimmverzerrung und -synthese zum Einsatz kommen- die Engine funktioniert sowohl im Dialog "Mensch zu Mensch" als auch "Mensch zu Sprachdialogsystem". Zweitens die Verhaltensanalyse-Technologie "Toneprinting" und drittens der "Phoneprinting"-Technik.

Wissen Sie immer ganz genau, wer am anderen Ende der Telefonleitung ist?
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Foto: polkadot_photo - shutterstock.com

Die Kombination der drei Entwicklungen führt dazu, dass Passport passiv im Hintergrund eines Anrufs läuft und den Anrufer anhand verschiedener Faktoren identifiziert: wer er ist - auf Basis seiner Stimme -, was er hat - auf Basis seines Geräts - und was er tut - auf Basis seines Verhaltens.

"Dies ersetzt schwächere Formen der Authentifizierung, die derzeit in Gebrauch sind, wie etwa die Methode, dem Kunden eine Reihe wissensbasierter Fragen zu stellen, oder die Durchführung mühsamer Enrolment-Verfahren", erklärt Vollmer. Dadurch könnten Unternehmen die Anrufbearbeitungszeiten um bis zu 55 Sekunden verkürzen und die Callcenter-Betriebskosten um bis zu einem Dollar pro Anruf senken.

Mit Potenzial und compliant

Auf dem Security-Seminar zeigten sich die anwesenden Anwendervertreter interessiert an der Technologie. "Wenn man bedenkt, welche Kosten und Mühen bisher in bestimmten Branchen in den Schutz vor Telefonbetrug gesteckt werden, hat diese Technologie durchaus großes Potenzial", so ein Teilnehmer. Bedenken, dass die Stimmmustererkennung gegen geltende Datenschutzgesetze verstoßen könnte, räumte Vollmer aus und versicherte, dass Pindrop sich an den Regeln orientiere und den Kunden dabei unterstütze, die Lösungen gemäß der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung zu implementieren..