Personalarbeit im Mittelstand

08.01.2004
Von 
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.

Bei der Personalbeschaffung fällt auf, dass die Mittelständler in erster Linie über ihre eigene Homepage rekrutieren und mit Mitarbeiterempfehlungen arbeiten. Immerhin 83 Prozent der Befragten gaben an, dass sie ihre Führungskräfte via Website suchen, und 75 Prozent nehmen die Hilfe ihrer Angestellten in Anspruch. Das obere Management dagegen wird in fast drei Viertel der Fälle via Headhunter angeworben. Ein Fünftel der Mittelständler schaltet Stellenanzeigen. Die "normalen" Mitarbeiter werden in erster Linie über Empfehlungen aus der Belegschaft und über externe Jobbörsen gesucht.

Mitarbeiterbefragungen sind oft veraltet

Scholz lobt die Kleinen dafür, dass sie mittlerweile so oft online ihr Personal suchen. Verbesserungsfähig sei aber der Auftritt im Netz. Der Professor hat die Seiten nach den Kriterien: Content, Usability, Branding und Emotion (Cube) bewertet. Am wenigsten zufrieden ist er mit der Benutzerfreundlichkeit (Usability). 60 Prozent der Firmen-Websites hat er dabei mit "schlecht" oder "sehr schlecht" taxiert. Fast genauso schlecht schneidet der emotionale Teil ab, also ob sich der Surfer von der Aufmachung des Online-Auftritts angesprochen fühlt. Am besten kommen die Mittelständler beim Branding weg: Immerhin 41 Prozent der Seiten bewertet der Professor mit "gut".

In puncto Kommunikation läuft in den mittelständischen Betrieben eine ganze Menge. Fast drei Viertel der Befragten gaben an, dass bei ihnen regelmäßige Besprechungen mit allen Mitarbeitern und persönliche Gespräche mit Führungskräften stattfinden und dass E-Mail zu den Selbstverständlichkeiten gehört. Über die Hälfte hat ein Intranet eingerichtet, 63 Prozent auch eine Mitarbeiterzeitung. Kritik übt der Professor an den veralteten Mitarbeiterbefragungen. Wenn diese einmal eingeführt sind, werden sie nicht weiterentwickelt und an veränderte wirtschaftliche Bedingungen angepasst. "Die Analysen zur Mitarbeiterzufriedenheit gehören zum Standardrepertoire zeitgemäßer Personalarbeit", so der Saarbrücker. Deshalb müssten sie professionell betrieben werden.

In der Vergütungspolitik agiert der Mittelstand konservativ. Immerhin die Hälfte der Befragten gewährt eine zusätzliche Altersvorsorge, und ebenso viele zahlen die geleisteten Überstunden; aber nur noch zwei Prozent haben Stock-Options-Programme. Vor drei Jahren hätte dieses Ergebnis sicher noch anders ausgesehen. "Ausbaufähig" sei nach Scholz Darstellung der variable Anteil der Vergütung. Weniger als ein Drittel der Studienteilnehmer zahlen dem Topmanagement einen nicht festen Anteil, und bei den Führungskräften sind es sogar nur 16 Prozent der Arbeitgeber. Wichtig sei aber in erster Linie "ein faires und transparentes System der Leistungserfassung und -bewertung", so der Wissenschaftler. Für jeden Beschäftigten müsse erkennbar sein, dass sich Leistung in seinem Unternehmen "wirklich" lohne.

Scholz erwartet von den Mittelständlern, dass sie eine Personalstrategie und -vision formulieren. Letztere sollte ein "klares Bild" von der anzustrebenden Zukunft vermitteln und Aussagen darüber machen, "welche Rolle dem Mitarbeiter in dieser Arbeitswelt zukommt". Immerhin 66 Prozent der Mittelständler haben eine Personalstrategie, bei 13 Prozent ist sie nur "ansatzweise" vorhanden.