Ankündigungen gehen Analysten nicht weit genug

Peoplesoft kooperiert mit Siebel und Vantive

04.09.1998

Im Gegensatz zu den Konkurrenten SAP, Baan und Oracle, die mit Hilfe von Unternehmensaufkäufen und Eigenentwicklungen ihr Portfolio ergänzt haben, setzen die Softwerker aus Pleasonton, Kalifornien, auf Kooperationen. Aus Sicht von Robert Eve, Peoplesofts neuem Mann für Allianzen, scheint dieser Weg sinnvoll: "Mit Siebel und Vantive sind die Nummer eins und zwei im Front-Office-Markt unsere Partner." Die Kunden hätten somit die Wahl zwischen Siebel, das im Segment Vertrieb und Marketing führend ist, oder Vantive, das sich bei Service-Applikationen einen Namen gemacht hat. Beide Produkte sollen über Schnittstellen und Gateways an das ERP-Paket angebunden werden.

Analysten begrüßen die Ankündigungen, die aus ihrer Sicht längst überfällig waren. Allerdings zeigen sie sich davon überrascht, daß Peoplesoft den Weg in Richtung Front-Office nicht aus eigener Kraft stemmt, sondern auf Kooperationen setzt. Fachleute hatten eher mit einer Übernahme von Vantive gerechnet - derartige Gerüchte kursieren in Insiderkreisen seit längerem. "Durch die Partnerschaft zu Vantive und Siebel jongliert Peoplesoft nun zwischen zwei Erzrivalen", sagt Tom Gromley, Analyst bei Forrester Research in Cambridge, Massachusetts. "Das kann schwierig werden."

Die Kooperation sei zunächst nicht mehr als ein Blatt Papier. Dadurch erreiche man nicht die Kontrolle über die Integration der Fremdprodukte, was immer wieder zu technischen Schwierigkeiten führen kann, mutmaßt Gromley weiter. Die Mitbewerber SAP und Co. hingegen könnten durch ihre Strategie eine enge Verzahnung von ERP- und Front-Office-Paket gewährleisten. Für Kunden ergibt sich daraus überdies der Vorteil, Lösungen aus einer Hand zu erhalten.