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Peoplesoft-Gewinn bricht um 70 Prozent ein

28.07.2004

Peoplesoft hat im zweiten Quartal 2004 einen deutlichen niedrigeren Profit erzielt als erwartet. Gleichzeitig zog der Anbieter von Business-Software aus Pleasanton, Kalifornien, seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr zurück. Wegen der negativen Auswirkungen des feindlichen Übernahmeangebots von Oracle auf das Geschäft seien die Erwartungen nicht mehr zu halten, so Peoplesoft.

Der SAP-Konkurrent hatte bereits vor drei Wochen davor gewarnt, dass der mit der Übernahmeschlacht verbundene Kartellprozess die Geschäfte im abgelaufenen Quartal und insbesondere im Schlussmonat Juni extrem belastet habe (Computerwoche.de berichtete). Wie die Softwareschmiede nun bekannt gab, schrumpfte der Nettoprofit gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 36,5 Millionen Dollar auf elf Millionen Dollar oder drei Cent pro Aktie. Abzüglich Sondereffekte, darunter rund 10,5 Millionen Dollar Gerichtskosten sowie Abschreibungen im Zusammenhang mit der Integration von J.D.Edwards, ging der Gewinn allerdings nicht so stark zurück, nämlich von 54 Millionen auf 51 Millionen Dollar oder 14 Cent je Anteil. Der Pro-forma-Profit lag damit im Rahmen der reduzierten Prognose, aber ein Cent unter der Markterwartung.

Der Umsatz kletterte im Jahresvergleich zwar um 30 Prozent auf 647,3 Millionen Dollar, allerdings waren im Vorjahreszeitraum noch nicht die Erlöse des im Juli 2003 übernommenen Wettbewerbers J.D.Edwards enthalten. Zugleich blieb Peoplesoft mit dem Wert deutlich unter den bereits auf 655 bis 665 Millionen Dollar gesenkten Prognosen. Die Analysten der Wall Street hatten im Schnitt mit Einnahmen von 661,6 Millionen Dollar gerechnet.

Die Lizenzerlöse stiegen im Jahressvergleich von 111,7 Millionen auf 130 Millionen Dollar und lagen damit im Plan. Im April hatten die Kalifornier allerdings noch Softwareeinnahmen in Höhe von 150 bis 170 Millionen Dollar in Aussicht gestellt.

In einer Telefonkonferenz erklärte Peoplesoft-CEO Graig Conway, es habe im Berichtszeitraum eine ganze Reihe von Deals gegeben, die wegen der Unsicherheit über den Ausgang des Kartellprozesses mit Oracle aufgeschoben oder gar abgesagt wurden. Die gestiegene Aufmerksamkeit der Medien habe es im Monat Juni nahezu unmöglich gemacht, Verträge abzuschließen. Hinzu komme, dass die Company selbst bei kleineren Abschlüssen hohe Preisnachlässe einräumen musste, nachdem Kunden durch den Prozess von der möglichen Höhe der Discounts erfahren hatten.

Conway bestätigte zudem, dass das US-Geschäft des Konkurrenten SAP im abgelaufenen Quartal in erster Linie auf Kosten von Peoplesoft gewachsen sei. Der Walldorfer Softwarekonzern hatte vergangene Woche bekannt gegeben, dass die Lizenzeinnahmen in den USA gegenüber dem Vorjahr um 63 Prozent auf 140 Millionen Euro angestiegen sind, um Währungsschwankungen bereinigt sogar um 70 Prozent (Computerwoche.de berichtete).

Finanzchef Kevin Parker geht nun davon aus, dass die bisherige Gewinnerwartung für das Gesamtjahr 2004 nach dem schwachen Quartal nicht mehr zu halten ist. Eine Prognose für den laufenden Dreimonatszeitraum und das Gesamtjahr werde das Unternehmen aber erst nach einer Entscheidung im Kartellprozess abgeben, so Parker. (mb)