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Palm kauft Handspring

04.06.2003
Palm will nach dem Spinoff von Palmsource Handspring übernehmen und erweitert so sein Portfolio um Smartphones und sein Management um die ursprünglichen Palm-Erfinder.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - PDA-Weltmarktführer Palm hat die Absicht angekündigt, seinen Lizenznehmer Handspring zu übernehmen, und gleichzeitig im Verwaltungsrat endgültig die Abspaltung der Betriebssystemtochter Palmsource beschlossen. Die Eingliederung von Handspring in die jetzige Hardwaresparte Palm Solutions Group soll erst nach dem Spin-off erfolgen und vermutlich im Herbst dieses Jahres abgeschlossen sein. Damit Handspring überhaupt bis zur Übernahme überlebt, räumt Palm eine Kreditlinie von bis zu 20 Millionen Dollar ein.

Die Übernahme zahlt Palm in Aktien. Handspring-Aktionäre erhalten demnach für jedes ihrer Papiere 0,09 Palm-Anteilscheine. Insgesamt wird Palm knapp 14 Millionen Aktien ausgeben; den Handspring-Eignern gehören dadurch anschließend knapp 32,2 Prozent des resultierenden Gemeinschaftsunternehmens. Der Palm-Kurs wird nach der Trennung von Palmsource ermittelt. Von der Fusion erhoffen sich beide Unternehmen unter anderem jährliche Kosteneinsparungen von 25 Millionen Dollar.

Historisch hängen beide Firmen ohnehin eng zusammen: 1992 wurde die erste Firma Palm Inc. von Jeff Hawkins und Donna Dubinsky gegründet und dann 1995 von U.S. Robotics übernommen.1996 kamen die ersten Handhelds ("Palm Pilot 1000", "5000") auf den Markt, U.S. Robotics wurde wiederum 1997 von 3Com geschluckt. Dubinsky, Hawkins und ihr Marketing-Kollege Ed Colligan verließen das Unternehmen 1998 und gründeten Handspring. Palm wurde 2000 an die Börse gebracht und unabhängig von 3Com.

Handspring nahm das Palm-OS in Lizenz und brachte preisgünstige, eigene PDAs mit kleineren Betriebssystemmodifikationen auf den Markt. Nachdem Palm und andere Lizenznehmer gleichfalls preiswerte Handhelds anboten, konzentrierte sich Handspring mit bis dato eher mäßigem Erfolg ausschließlich auf Palm-OS-basierende Smartphones ("Treo") - und solche Geräte fehlen Palm bislang in seinem Portfolio. Allerdings fragt sich, ob der Smartphone-Zug mit Symbian - an dem alle wichtigen Handy-Hersteller beteiligt sind - und Microsoft - das sich wie üblich mit seiner Finanzkraft in den Markt einkauft - nicht längst abgefahren ist.

Die einstigen Palm-Erfinder sollen jedenfalls künftig wieder tragende Rollen spielen: Jeff Hawkins wird CTO (Chief Technology Officer) des künftigen gemeinschaftlichen Hardware-Unternehmens, an dessen Spitze der bisherige Palm-Solutions-Chef Todd Bradley stehen soll. Das neue Palm wird ferner eine PDA-Sparte unter Leitung von Ken Wirt (derzeit Senior Vice President Sales and Marketing Palm Solutions) und einen Smartphone-Bereich haben, den Colligan (gegenwärtig Handsprings President und Chief Operating Officer) leiten soll. Dubinsky wird Mitglied des Verwaltungsrats, aus dem Palmsource-Chef David Nagel ausscheidet. Der frühere 3Com-Chef Eric Benhamou bleibt Chairman (of the Board = Verwaltungsratsvorsitzender) von Palm und Palmsource. (tc)