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Otto Schily wird Big Brother 2005

28.10.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Den "Big Brother Award 2005" hat Bundesinnenminister Otto Schily "für sein Lebenswerk" erhalten. Ausgezeichnet wurde er für den "Ausbau des deutschen und europäischen Überwachungssystems auf Kosten der Bürger- und Freiheitsrechte und für seine hartnäckigen Bemühungen um die Aushöhlung des Datenschutzes unter dem Deckmantel von Sicherheit und Terrorbekämpfung", heißt es zur Begründung. Zudem wurde Schily "für die undemokratische Einführung des biometrischen Reisepasses, dessen Technik unausgereift und unsicher ist und der zu einer erkennungsdienstlichen Behandlung der gesamten Bevölkerung führt", geehrt.

Weitere Preisträger sind der Hessische Minister des Inneren Volker Bouffier, der Ministerpräsident des Landes Niedersachsen Christian Wulff, die Generalstaatsanwaltschaft des Landes Schleswig-Holstein, das WM-Organisationskomittee des Deutschen Fußballbundes (DFB) sowie die Saatgut Treuhand Verwaltungs GmbH. Außerdem wurden die Grundschule Ennigloh bei Bünde und die Volksbank Bad Oeynhausen Herford gemeinsam mit der Sparkasse Herford ausgezeichnet. Hier hatte die Schule die Namen von Schulanfängern an die Banken zu Werbezwecken ("Startkonto") ohne Einwilligung der Eltern weitergegeben. In der Kategorie "Technik" wurde der "Sammelpreis Videoüberwachung" verliehen. Die Jury kritisierte die "schleichende Degradierung von Menschen zu überwachten Objekten und die Verharmlosung der Folgen von flächendeckender Überwachung".

Der Big-Brother-Award wurde in Deutschland zum sechsten Mal in Folge verliehen. Mit den "Negativ-Preisen für Datenkraken" möchte die Jury eigenen Angaben zufolge auf "ausufernde Kontrolle, Manipulation und Überwachung" hinweisen. Die Auswahl treffen der FoeBuD, der Chaos Computer Club (CCC), die Deutsche Vereinigung für Datenschutz (DVD), die Humanistische Union, das Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF), der Förderverein Informationstechnik und Gesellschaft (FITUG) sowie die Internationale Liga für Menschenrechte. (ajf)