Flächendeckender Ausbau bleibt Zukunftsmusik

Osteuropa benötigt immense Investitionen im TK-Bereich

05.04.1991

HANNOVER (vwd) - Um eine dem westlichen Standard auch nur annähernd vergleichbare Dichte von 30 individuellen Anschlüssen pro 100 Einwohner zu erreichen, müssen rund 51,6 Milliarden Dollar für den Aufbau einer modernen TK-Infrastruktur in den Ländern Osteuropas investiert werden. Zu diesem Ergebnis kommt die international tätige britische Unternehmensberatung BIS Strategie Decisions in einer auf der CeBIT '91 vorgestellten Untersuchung.

Die BIS-Experten gehen von 26,1 Millionen zu erneuernden oder neu zu legenden Anschlüssen aus, wobei die UdSSR und die ehemalige DDR unberücksichtigt blieben. Derzeit liegt die Anschlußdichte pro 100 Einwohner in den ehemaligen RGW-Ländern, ungeachtet der überalterten Technik, auf Basis der letztverfügbaren Daten bei 7,8 in Rumänien, 8,4 in Polen, 9,1 in Ungarn, 13,6 in der CSFR, 16,5 in Jugoslawien und 25 in Bulgarien. Den Durchschnittswert für die sechs Länder beziffert BIS auf 13,7 Anschlüsse je 100 Einwohner.

Gut 20 Milliarden Dollar des genannten Finanzbedarfs werden in harter Währung über Kredite, Risikokapital und private Investments aufgebracht werden müssen. Nach Einschätzung der zum Nynex-Konzern gehörenden Unternehmensberatung liegt bereits eine Vielzahl von Angeboten für die Errichtung von TK-Strukturen überwiegend in Ungarn, Polen und der CSFR vor. Zum Teil fehle den staatlichen Institutionen jedoch das Know-how, um die Offerten beurteilen zu können.

Zudem existieren keine strategischen Konzepte für die Gestaltung eines Stufenplans zum Aufbau und späteren Ausbau der TK-Infrastrukturen in den jeweiligen Ländern.

Priorität haben für die staatlichen Entscheidungsträger derzeit die internationalen Verbindungen. Angesichts der noch geringen Wirtschaftskraft der osteuropäischen Länder halten die BIS-Experten einen flächendeckenden TK-Ausbau zunächst für wenig wahrscheinlich. Zu erwarten sei vielmehr in einer ersten, kostengünstigen Ausbaustufe die Errichtung von Insellösungen für die jeweiligen Hauptstädte als politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentren mit hoher Nutzerdichte sowie der Anschluß der wichtigsten Wirtschaftszentren.