Ab März 2000 läuft R/3 auf dem Mainframe

OS/390 kann künftig auch als Plattform für ERP-Applikationen dienen

17.09.1999
MÜNCHEN (CW) - Kaum ist das Release 8 des Mainframe-Betriebssystems OS/390 erschienen, gibt IBM bereits Einblicke in das nächste Update. Das für den 31. März 2000 angekündigte Release 9 läßt sich erstmals als Grundlage eines Applikations-Servers für R/3 einsetzen. Danach sollen weitere Enterprise-Anwendungen auf den Mainframe übersiedeln.

Laut IBM gestaltet sich die Umsetzung nicht einfach, denn jedes Enterprise-Resource-Planning- (ERP-)System benötigt eine spezielle Transformationsstrategie. Dies betrifft Produkte von Baan und Peoplesoft ebenso wie das ERP-Flaggschiff R/3 von SAP. Gegenwärtig laufen zwar die Datenbank-Server des Walldorfer Systems unter OS/390, für die Applikationen muß jedoch eine RS/6000 angeschlossen werden. Der Betasupport für das Hosting von R/3 soll nach Angaben von Big Blue bereits Ende des Jahres zur Verfügung stehen.

Den Stein ins Rollen hatte die auf IBM-Architekturen spezialisierte Benutzervereinigung Guide Share Europe (GSE) gebracht. Sie legte den Branchenriesen bereits im vergangenen Jahr eine Liste von Unternehmen vor, die Interesse an einer ERP-Portierung auf den Mainframe gezeigt hatten. Die Anwender versprachen sich eine größere Leistungsfähigkeit des Systems sowie sinkende Kosten von der Konsolidierung. Gerade datenintensive Batch-Prozesse in R/3 sind mit deutlich höherer Performance möglich, wenn Datenbank und Anwendung in einer logischen Partition der Parallel-Sysplex-Umgebung unter OS/390 laufen.

IBM will es allerdings nicht bei den ERP-Programmen auf dem Großrechner bewenden lassen. In einem nächsten Schritt macht das Unternehmen seine Mainframes fit für Supply-Chain- und Front-Office-Anwendungen sowie Lösungen aus dem Bereich der Business Intelligence. Gegenwärtig stehen derartige Tools noch nicht auf Mainframes zur Verfügung.

Darüber hinaus bietet die Version 2.9 eine native Unterstützung von File- und Print-Services für Windows-Clients. Ferner wird erstmals eine Textsuche in Uni- code- und XML-Dokumenten (XML = Extensible Markup Language) möglich sein, so der Konzern aus Armonk. Weitere Features sind neue Unix-Systemservices, die es Entwicklern erlauben, auf NT-Rechnern programmierten Code als OS/390-Applikation zu implementieren. Last, but not least wird ein Component Broker auf Basis der Enterprise Javabeans integriert. Nach Aussage von IBM laufen bereits erste Release-9-Versionen bei drei Anwendern in ausgewachsenen Parallel-Sysplex-Umgebungen.