Ratgeber

Orientierung im BPM-Dschungel

12.12.2011
Von 
Jakob Freund ist CEO von Camunda, das die gleichnamige Open-Source-Lösung für Workflow Automation und Decision Management entwickelt und vermarktet.

Überblick BPM-Produkte

Auf BPM-Netzwerk.de haben rund 3000 Mitglieder ihre Praxiserfahrungen mit bestimmten BPM-Tools hinterlegt. Hier die Anzahl der Nutzer eines bestimmten Produkts.
Auf BPM-Netzwerk.de haben rund 3000 Mitglieder ihre Praxiserfahrungen mit bestimmten BPM-Tools hinterlegt. Hier die Anzahl der Nutzer eines bestimmten Produkts.

Wer sich einen Überblick über BPM-Produkte und deren Einsatz verschaffen will, sollte die Online-Community BPM-Netzwerk.de besuchen, die von rund 7000 BPM-Interessierten in Deutschland, Österreich und der Schweiz genutzt wird. Knapp 3000 Mitglieder haben ein ausführliches Profil auf der Plattform hinterlegt, in dem sie unter anderem ihre Praxiserfahrungen mit spezieller BPM-Software nennen. Bei den BPMA-Werkzeugen ist deutlich erkennbar, dass die Aris-Plattform von IDS Scheer mit Abstand am häufigsten genutzt wird. Mehr Anwender findet nur das Diagrammwerkzeug Visio von Microsoft, mit dem viele BPM-Einsteiger arbeiten, das aber aufgrund der begrenzten Möglichkeiten in der Ablage und Verwaltung von Prozessmodellen nicht als echtes BPMA-Werkzeug bezeichnet werden kann.

Bei den BPMS-Angeboten ist die Situation etwas komplizierter, weil man zwischen so genannten Pure-Play-, Embedded- und den neuen SaaS-Lösungen (Software as a Service) unterscheiden muss. Außerdem spielen bei BPMS, im Gegensatz zu BPMA, auch Open-Source-Projekte eine immer wichtigere Rolle. Die Frage, welche Kategorie von BPMS nun für welches Unternehmen am besten geeignet ist, lässt sich nicht immer eindeutig beantworten. Alle Kategorien sind mit bestimmten Vor- und Nachteilen verbunden. Hinzu kommt, dass die Grenzen nicht immer eindeutig verlaufen. Besonders gut erkennt man das an dem Process Editor der Berliner Firma Signavio, der im Kern als BPMA-Werkzeug definiert ist. Dabei handelt es sich um die einzige BPMA-Lösung, die vollständig im SaaS-Modell genutzt werden kann, gleichzeitig in den Embedded-BPM-Lösungen von Firmen wie Saperion enthalten ist, ebenso in der SaaS-Workflow-Lösung der Firma Henrichsen und obendrein auch noch in Form einer abgespeckten Open-Source-Edition Bestandteil der quelloffenen Plattform Activiti ist. Was die einzelnen BPMS-Kategorien kennzeichnet, welche Hersteller dort vertreten sind und für wen sie sich eignen, entnehmen Sie den Tabellen "BPMS-Kategorien und ihre Hersteller" sowie "Für wen eignet sich welches BPMS?".

BPMS-Kategorien und ihre Hersteller

Kategorie

Kurzbeschreibung

Exemplarische Produkte

Pure Play BPMS

Diese Systeme werden beim Anwender installiert und über Schnittstellen mit bereits vorhandenen Anwendungen gekoppelt. Die Einführung von Pure Play BPMS geht häufig mit der Entwicklung einer SOA einher, kann aber auch für ein reines Human-Workflow-Management erfolgen. Einige Hersteller wie Oracle oder Inubit bieten auch integrierte Lösungen für BPMS und BPMA an.

IBM Websphere,

Inubit BPM Suite,

jCOM1 BPM Suite,

Oracle Fusion Middleware 11g,

SAP Netweaver,

Soreco Xpert.ivy.

Embedded BPMS

Embedded BPMS sind in der Regel keine eigenständigen Produkte, sondern Komponenten innerhalb funktionaler Softwaresysteme, die der Workflow-Steuerung oder dem Customizing dienen.

Saperion ECM,

Alfresco ECM,

Veda HR-Manager,

Cursor-CRM.

SaaS BPMS

Die Nutzung von BPMS als Software as a Service steht noch relativ am Anfang, ist aber sehr vielversprechend. Hierbei kann es sich um relativ simple und dadurch schlanke Workflow-Lösungen handeln oder um mächtige SOA-Stacks mit Prozessausrichtung.

Cordys Process Factory,

Sungard IPP,

Henrichsen T!M.

Open-Source-BPMS

Quelloffene BPMS werden in der Praxis sowohl als Alternative zu kommerziellen Pure-Play-Lösungen gesehen als auch von Softwareherstellern für Embedded-BPM-Lösungen herangezogen.

Activiti BPM-Suite,

Apache ODE,

JBoss jBPM.