Übernahme von Aponex

Oracles Cloud-Geschäft kommt nicht so recht in Fahrt

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Mit seinem Cloud-Geschäft im abgelaufenen Quartal hat Oracle die Börse enttäuscht – trotz einem Plus von 44 Prozent. Offenbar traut man dem Datenbankspezialisten nicht so recht zu, sich gegen die Konkurrenz von AWS, Microsoft und Google zu behaupten. Um das Cloud-Geschäft in Fahrt zu bringen, will Oracle den australischen Cloud-Projektmanagement-Spezialisten Aconex übernehmen.

Oracle tut sich schwer, Anschluss im Cloud-Business zu finden. Der Datenbank-Riese war vergleichsweise spät mit As-a-Service-Lösungen gestartet und hatte die Cloud in frühen Tagen noch als Modeerscheinung abgetan, die schnell wieder verschwinden werde. Diese Fehleinschätzung rächt sich nun. Während Unternehmen wie Amazon Web Services (AWS), Microsoft und Google für Infrastructure- und Platform-as-a-Service (IaaS und PaaS) sowie Salesforce im Software-as-a-Service-Bereich (SaaS) die Akzente im weltweiten Cloud-Business setzen, muss Oracle darum kämpfen, nicht abgehängt zu werden.

Oracle Cloud-Geschäft wächst, kann aber an der Börse nicht überzeugen.
Oracle Cloud-Geschäft wächst, kann aber an der Börse nicht überzeugen.
Foto: Blackboard - shutterstock.com

Die Erwartungen sind jedoch angesichts des allgemein boomenden Cloud-Markts hoch gesteckt. Oracle meldete für sein gerade abgelaufenes Geschäftsquartal einen Cloud-Umsatz von 1,52 Milliarden Dollar, ein Plus von 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Das war den Börsianern allerdings nicht genug. Sie hatten mit Cloud-Einnahmen von 1,56 Milliarden Dollar gerechnet und straften den US-Konzern daher mit einem Kursminus von rund drei Prozent ab.

Wartung und Support bleiben wichtigster Geldbringer

Insgesamt belief sich Oracles Umsatz in den Monaten von September bis November 2017 auf 9,63 Milliarden Dollar, rund 6,2 Prozent mehr als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahrs. Den Löwenanteil am Oracle-Geschäft macht aber nach wie vor das klassische Lizenz-Business aus. Im zweiten Quartal des Fiskaljahrs 2017/18 verbuchte der Konzern an dieser Stelle einen Umsatz von 6,3 Milliarden Dollar, ein Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Allerdings stagnierte das Geschäft mit Neulizenzen bei etwa 1,35 Milliarden Dollar. Das meiste Geld floss aus Wartung und Support. Damit setzte Oracle 4,95 Milliarden Dollar um, vier Prozent mehr als vor einem Jahr.

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Wie abhängig Oracle nach wie vor vom klassischen Geschäft ist, zeigt die Tatsache, dass die Einnahmen aus Wartung und Support etwas über die Hälfte des Gesamtumsatzes ausmachen. Der Umsatz im Hardware-Geschäft, das im Wesentlichen aus den ehemaligen Sun-Microsystems-Produkten besteht, reduzierte sich im Quartalsvergleich um sieben Prozent auf 940 Millionen Dollar. Die Servicegeschäfte legten leicht um ein Prozent auf 856 Millionen Dollar zu.

One-Stop-Shop-Strategie auch in der Cloud

In ihrer Bewertung der aktuellen Zahlen wurden die Oracle-Verantwortlichen indes nicht müde, die eigenen Cloud-Erfolge ins Rampenlicht zu stellen. CEO Mark Hurd behauptete, Oracle sei mit über 5000 Fusion-Kunden der klare Marktführer bei Back-Office-SaaS-Applikationen. Man erwarte, in den kommenden vier Quartalen weitere Cloud-Verträge mit einem Volumen von zwei Milliarden Dollar unter Dach und Fach zu bekommen. Das sei mehr SaaS-Geschäft als jeder andere Wettbewerber vorweisen könne.

Oracle-Gründer Lawrence Ellison lässt keine Gelegenheit aus, über den Cloud-Konkurrenten AWS zu lästern.
Oracle-Gründer Lawrence Ellison lässt keine Gelegenheit aus, über den Cloud-Konkurrenten AWS zu lästern.
Foto: Oracle

Oracle-Gründer und derzeit Chief Technology Officer (CTO) Lawrence Ellison verwies auf die kürzlich vorgestellte intelligente und autonome Datenbank, die sich laut Hersteller mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz weitgehend selbst administrieren können soll. Der Betrieb dieser Datenbank koste in der Oracle-Cloud um mehr als die Hälfte weniger als eine Datenbank in der Amazon-Cloud, sagte Ellison: "Das garantieren wir." Damit wird jedoch ein gravierendes Problem in der Oracle-Strategie offensichtlich. Der Konzern versucht seine One-Stop-Shop-Strategie aus der klassischen Softwarewelt 1:1 in die Cloud zu übertragen. Kunden sollen möglichst alles aus einer Hand beziehen - natürlich von Oracle -, von der Cloud-Infrastruktur über die Plattform-Funktionen bis hin zu den Anwendungsservices.

Offenheit heißt das Mantra der Cloud

Ob dieser Ansatz funktioniert, ist jedoch zweifelhaft. Das Gros der anderen Software- und Cloud-Anbieter bemüht sich derzeit um mehr Offenheit. Ziel dabei ist, rund um die eigene Plattform ein möglichst attraktives Ökosystem aufzubauen, in dem Kunden eine Vielzahl nützlicher Applikationen und Apps - auch von anderen Anbietern - für ihr Geschäft finden. Sogar Oracle-Konkurrent SAP, der in der Vergangenheit auch eine eher SAP-zentrische Cloud-Strategie gefahren hatte, öffnet sich zunehmend. Beleg dafür sind die Cloud-Kooperationsvereinbarungen mit Google und Microsoft, die in den zurückliegenden Monaten geschlossen wurden.

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Die Oracle-Verantwortlichen bemühen sich derweil, vor allem ihr eigenes Cloud-Geschäft weiter auszubauen. Dafür will der US-amerikanische Softwarekonzern den australischen Cloud-Spezialisten Aconex übernehmen. Oracle will für den Anbieter von Collaborations- und Projektmanagement-Lösungen aus der Cloud rund 1,2 Milliarden Dollar bezahlen. Das Management der Australier befürwortete den Deal und empfahl den Anteilseignern, das Angebot anzunehmen. Darüber abgestimmt werden soll im März 2018.

Die Aconex- und Oracle-Geschäfte würden sich gut ergänzen, konstatierte Aconex-Mitbegründer Leigh Jasper. Das Unternehmen wurde im Jahr 2000 gegründet und unterhält 47 Niederlassungen in 23 Ländern. Spezialisiert sind die Australier auf das Projektmanagement im Konstruktionsumfeld beispielsweise in der Energie- und Versorgerbranche. 70.000 Unternehmen in 70 Ländern würden Aconex-Angaben zufolge die eigenen Cloud-Lösungen einsetzen.