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Oracle will auf die Desktops

12.11.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Mit seiner im Juli dieses Jahres angekündigten (Computerwoche online berichtete) und seit Oktober ausgelieferten "Collaboration Suite" unternimmt Oracle einmal mehr den Versuch, auch die Desktops von Unternehmen zu erobern. Auf der Hausmesse Oracle World in San Francisco erklärte Marketing-Chef Mark Jarvis, das Interesse der Anwender an der als Konkurrenz zu Microsoft Exchange und Lotus Domino positionierten Groupware sei "überwältigend" und die neue Software werde dem Hersteller möglicherweise noch mehr Umsatz bringen als der hauseigene Application Server.

Ein wenig Realitätssinn könnte Jarvis und Co. allerdings nicht schaden. Der Chief Marketing Officer musste einräumen, dass zurzeit erst 50 von insgesamt etwa 200.000 Kunden des Konzerns die Collaboration Suite im Piloteinsatz haben. Laut Finanzchef Jeff Henley haben zumindest "Hunderte" weitere Anwender Interesse an Demonstrationen geäußert. Jarvis erklärte dazu: "Typischerweise müssen wir unseren Kunden ein neu gelaunchtes Produkt erst einmal erklären. Im Fall der Collaboration Suite rufen uns die Anwender an."

Für Mitte kommenden Jahres stellte Oracle eine neue Version 2 seiner Groupware in Aussicht, die dann über zahlreiche Neuerungen wie Echtzeit-Kommunikation, Instant Messaging, Online-Meetings und Co-Browsing (gemeinsames Browser-basiertes Arbeiten an einem Dokument) bieten soll. Ab sofort ist die Collaboration Suite außerdem als gehostete Variante "Oracle Collaboration Outsourcing" im Angebot. Anwender, die das Paket komplett auf Oracles Server auslagern, zahlen dafür zehn Dollar pro benanntem Nutzer. Wer nur E-Mail oder Dateidienste nutzen möchte, ist mit acht Dollar dabei. Falls der Kunde die Software auf Maschinen im eigenen Hause oder bei Dritten einspielt, sinkt der Hosting-Preis auf sechs respektive fünf Dollar. Will ein Unternehmen sich selbst um den Betrieb kümmern, kostet eine klassische Installation 60 Dollar pro Named User plus fünf Dollar Supportgebühr.

Vor allem Nutzer der Exchange-Software vom Erzfeind Microsoft will Oracle auf seine Plattform locken. Die Consulting-Einheit der Ellison-Company verspricht beispielsweise eine Migration von Exchange 5.5 auf die Collaboration Suite zu einem Drittel der Kosten, die ein Wechsel zu Exchange 2000 mit sich bringen würde. Microsoft hält dies allerdings für eine Milchmädchenrechnung. Oracle vergleiche "Äpfel mit Birnen", schrieb der Redmonder Konzern in einer kurzen Stellungnahme. Über einen Zeitraum von drei Jahren gerechnet seien beide Produkte ziemlich gleich teuer, je nach gewähltem Lizenzmodell. (tc)