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Oracle vs US-Justiz: Kartellbehörden verlieren an Boden

18.06.2004

Am Ende der zweiten Woche des Verfahrens zwischen Oracle und dem US-amerikanischen Justizministerium führt weiter der Datenbankspezialist nach Punkten. Der Prozess, mit dem die US-Behörde die feindliche Übernahme von Peoplesoft durch Oracle abblocken möchte, dreht sich nach wie vor um die Definition des Marktes für konzernweite Business-Applikationen. In den vorangegangen Tagen hatten zahlreiche Peoplesoft-Kunden, die das Ministerium in den Zeugenstand gerufen hatte, beteuert, dass sie bei der Auswahl der Produkte in aller Regel lediglich die drei großen Anbieter SAP, Peoplesoft und Oracle berücksichtigt hätten. Außerdem berichteten diese Firmen, sie hätten durch den Wettbewerb zum Teil deutliche Preisnachlässe der Anbieter erzielt. Sollte Oracle die Übernahme gelingen, würde ein

Hersteller wegfallen. Kunden wie Kartellbehörden fürchten in der Folge steigende Preise.

Dagegen argumentiert Oracle, im Markt für Geschäftsapplikationen seien wesentlich mehr Anbieter aktiv als die drei oben genannten Branchenführer. Dies bestätigte die von Oracle-Anwalt Daniel Wall in den Zeugenstand gerufene Accenture-Beraterin Christy Bass. Es sei keine Frage, ob Microsoft in Konkurrenz zu SAP, Peoplesoft und Oracle trete. "Das ist nur eine Frage der Zeit." Um diese These zu untermauern, legte Wall verschiedene Peoplesoft-interne Mitteilungen vor. So hätte beispielsweise Peoplesoft-Managerin Renee Lorton nach der Übernahme von Great Plains durch Microsoft Ende des Jahres 2000 in einer Mail geschrieben, der Deal sei ein Schuss in den Rücken von Peoplesoft und Oracle. Auch Doug Merritt, ehemaliger General Manager von Peoplesofts Human-Capital-Management-Abteilung, bezeichnete in einer internen Mitteilung, Microsoft als die größte Bedrohung für den eigenen Konzern. Philip Wilmington,

Executive Vice President von Peoplesoft in Nordamerika, bemühte sich, die Bedeutung der Mails herunterzuspielen. Lorton habe übertrieben, um ein größeres Budget für ihre Abteilung zu bekommen. (ba)