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Oracle vs US-Justiz: Die Karten liegen auf dem Tisch

06.07.2004

Nach vier Wochen ist die Zeugenanhörung im Prozess zwischen Oracle und dem US-amerikanischen Justizministerium beendet. Am 20. Juli werden die beiden Parteien ihre Schlussplädoyers vor dem Bezirksgericht in San Francisco halten. Mit einer Entscheidung von Richter Vaughn Walker rechnen Experten im August.

Das Urteil könnte richtungsweisend für die künftige Entwicklung in der gesamten Softwarebranche sein. Laut den Dokumenten, die während der vergangenen Prozesswochen auf den Tisch kamen, fühlten sich zahlreiche andere Branchengrößen, wie Microsoft, IBM und SAP von der durch Oracle angestrebten feindlichen Übernahme von Peoplesoft betroffen. Die Microsoft-Verantwortlichen dachten darüber nach, sich an Peoplesoft zu beteiligen, und begannen Übernahmeverhandlungen mit dem SAP-Management. Bei IBM grassierte die Furcht, Oracle könnte die Peoplesoft-Anwender zwingen, auf Oracle-Datenbanken zu wechseln. Dies ginge auf Kosten des IBM-eigenen Datenbankgeschäfts. Hochrangige IBM-Manager empfahlen deshalb, der Konzern solle sich an wichtigen strategischen

Softwarepartnern beteiligen, um so mögliche Übernahmen abblocken zu können.

Die Marktforscher gehen indes von einer weiteren Konsolidierung im Softwaremarkt aus. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Bain & Co. wirtschaften derzeit etwa zwei Drittel der 500 weltweit größten Softwarefirmen defizitär. Allerdings seien fast alle Unternehmen mit einem Jahresumsatz größer einer Milliarde Dollar profitabel. In wenigen Jahren werde es daher deutlich weniger aber dafür größere Softwareanbieter im Markt geben, folgert Simon Heap, Partner von Bain & Co.

Das versuchen derzeit die Anwälte des Justizministeriums zu verhindern. Sie warnen vor einem schmäleren Wettbewerb und steigenden Preisen, sollte es Oracle gelingen, Peoplesoft zu übernehmen. In vielen Deals sei Peoplesoft der wichtigste Faktor, um Oracle zu Preisnachlässen zu bewegen, argumentiert Anwalt Thomas Barnett. Die Oracle-Verantwortlichen beharren dagegen auf einem wesentlich breiteren Wettbewerbsumfeld. Der Markt lasse sich nicht auf die großen drei SAP, Peoplesoft und Oracle eingrenzen. Sie sind zuversichtlich, dass Richter Walker die Akquisition genehmigt. Davon erhofft sich das Management rund um Oracle-Chef Lawrence Ellison eine Signalwirkung für das ebenfalls noch ausstehende Urteil der europäischen Kartellbehörden. Ist diese Hürde genommen, steige der Druck auf Peoplesoft, in Übernahmeverhandlungen einzusteigen. (ba)