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Oracle versteht das DOJ nicht

20.02.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der kalifornische Datenbankriese Oracle versteht offenbar die Argumente nicht, mit denen Anwälte des US-Justizministeriums (Department of Justice = DOJ) versuchen, die geplante feindliche Übernahme von Peoplesoft zu blockieren. Eine Entscheidung über die entsprechende Empfehlung fällt allerdings erst am 2. März (Computerwoche.de berichtete).

Die Argumentation der DOJ-Anwälte ist nicht öffentlich zugänglich. Insidern zufolge sind sie aber zu dem Schluss gekommen, dass große, komplex aufgebaute Unternehmen beim Kauf betriebswirtschaftlicher Standardsoftware in der Auswahl möglicher Anbieter von drei auf zwei eingeschränkt würden, falls Oracle Peoplesoft übernähme - Platzhirsch ist in diesem Bereich anerkannt die SAP.

Ungewöhnlich an der Argumentation ist jedoch, dass die Kartellexperten jeden einzelnen Kunden quasi als "Markt" für sich ansehen. Üblicherweise werden Kartellbedenken anhand der Auswirkungen auf eine Gruppe ähnlicher Kunden geprüft. Die Definition des Begriffs Markt ist hier für die Argumentation der Regierung durchaus bedeutsam - generell gilt, je kleiner dieser, desto einfacher sind Wettbewerbshindernisse auszumachen.

Oracle argumentiert deswegen, die Definition der Regierung lasse viele Anbieter außen vor, die einige, wenn nicht alle Möglichkeiten des Managements von Finanzen oder Personal anbieten wie die drei großen Hersteller, und ebenso bedeutende Wettbewerber kompletter Unternehmenssoftware für mittelständische Firmen. Der Ansatz der DOJ-Anwälte verstoße damit gegen die hauseigenen Fusions-Richtlinien.

"Diese nie dagewesene Theorie hat uns umgehauen", wunderte sich Oracles Co-President Safra Catz, die eine Gesandtschaft des Herstellers zu Gesprächen beim DOJ in dieser Woche leitete. "In diesem Verfahren hatten wir darauf vertraut, dass uns die Regierung den Weg frei machen würde, wenn sie einmal erkannt hätten, wie unglaublich viel Wettbewerb es tatsächlich im Markt gibt." In der Sichtweise des DOJ finde speziell Microsoft keine Berücksichtung, das derzeit aus allerlei Zukäufen eine komplette Unternehmenssoftware schnüre. Zwar adressiere der Redmonder Konzern zurzeit nur kleine und mittlere Anwender, aber viele Branchenkenner gingen davon aus, dass Microsoft zunehmend auch größere Kunden ins Visier nehmen werde.

Eine Sprecherin des DOJ wollte die Angelegenheit unter Berufung auf das laufende Verfahren nicht kommentieren, Peoplesoft lehnte gegenüber dem "Wall Street Journal" ebenfalls eine Stellungnahme ab. (tc)