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Oracle läßt die Preise purzeln

17.12.1999
Kunden sollen mehr via Web kaufen

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Oracle hat gestern drastische Preissenkungen und Standardisierungen für seine Datenbank-Produkte angekündigt. Ähnliche Anpassungen sollen über die gesamte Produktpalette hinweg folgen. Außerdem wird künftig das Web stärker als Vertriebsweg genutzt.

Zunächst die Fakten: Die "Standard Edition" von "Oracle 8i" wird um 40 Prozent billiger, bei der "Enterprise Edition" sinkt der Preis sogar um 50 Prozent. Die Standard-Variante kostet künftig 15 statt 25 Dollar pro Power-Unit (der Oracle-internen Maßeinheit zur Bewertung von Server-Leistung), die Unternehmensversion 100 statt bis dato 200 Dollar. Für Großkunden soll es standardisierte Rabatte für bestimmte Lizenzvolumina geben.

Nur noch Abschlüsse mit einem Volumen von über 500 000 Dollar will Oracle wie bisher im persönlichen Gespräch über Vertriebsbeauftragte abwickeln (bislang wurden 98 Prozent aller Geschäfte auf diesen Weise abgeschlossen). Diese "magische Grenze" soll über kurz oder lang sogar auf eine Million Dollar angehoben werden. CEO (Chief Executive Officer) Lawrence "Larry" Ellison erklärte, er rechne damit, daß Ende kommenden Jahres alle Deals bis zu einer Million Dollar über die Website seiner Company laufen. "Man kann kein E-Business sein und gleichzeitig sein Geschäft so betreiben wie wir bisher", so der Oracle-Boß. "Es ist wirklich einfach, ein Buch bei Amazon.com zu bestellen. Der Kauf von Oracle-Software via Web soll genauso einfach werden."

Laut Chari Lazaridis, Pressesprecherin der deutschen Oracle-Niederlassung, gilt das zunächst nur in den USA angekündigte neue Preismodell ab dem 20. Dezember auch hierzulande.

Analysten reagierten positiv auf die Ankündigung, warnten allerdings im gleichen Atemzug davor, daß die neue Preisstruktur vermutlich drei bis vier Quartale brauchen werde, um sich positiv in der Bilanz von Oracle niederzuschlagen. "In Wahrheit handelt es sich um eine Standardisierung, nicht um eine Senkung der Preise", erläutert James Pickrel von Hambrecht & Quist. "In der Vergangenheit wurde praktisch jeder Deal individuell ausgehandelt - oft mit krassen Rabatten, weil die Vertriebsleute ihre Quartals- oder Jahresziele erfüllen wollten." (Wer sich die Auswirkungen dieser Praxis noch einmal vor Augen führen möchte, kann interessante Details dazu in einem CW-Infonet-Artikel vom vergangenen Oktober nachlesen.)

Oracle will kleine Unternehmen und Entwickler locken

Die Gründe für die Entscheidung sind vielfältig. Ellison räumte offiziell ein, man beuge sich in erster Linie dem Druck der Kunden. Diese hätten sich vermehrt darüber beschwert, daß die Oracle-Produkte zu schwer zu handhaben und vor allem zu teuer seien. Beobachter vermuten indes, daß auch der wachsende Konkurrenzdruck, vor allem durch Microsoft mit seinem "SQL Server", und die jüngsten Attacken der SAP dahinterstecken, die sich im Low-end-Datenbankbereich mit der Gates-Company und im High-end mit der IBM verbündet hat.

Davon will Ellison allerdings nichts wissen. Die neue Preisstrategie ziele vor allem darauf, auch kleinere Unternehmen als Kunden für die Oracle-Datenbank zu gewinnen. "Internet-Anwendungen baut man nicht auf dem Betriebssystem, sondern auf einer Datenbank auf", so der Oracle-Chef. "Unser größter Konkurrent ist nicht der SQL Server, sondern Windows NT." Außerdem gelte es, mehr Entwickler auf die Oracle-Plattform zu locken. Deren Zahl sei zwar, so Oracle von 40 000 vor einem Jahr auf inzwischen 400 000 gestiegen, bis Ende 2000 sollen es aber deren eine Million werden (Microsoft hat heute 1,5 Millionen registrierte Datenbank-Developer).

Seitenhiebe gegen Microsoft und Gates

"Wenn wir Microsofts komplettes Datenbankgeschäft hätten, würde sich das auf unser Geschäft ungefähr so auswirken wie ein Rundungsfehler", prahlte der CEO. "Microsoft ist in diesem Business einfach kein Player." Im unteren Leistungsbereich hießen die Konkurrenten nämlich weder Microsoft noch IBM, so Ellison im Rahmen der offiziellen Telefonkonferenz: "Hier heißt die Alternative: Gar keine Datenbank." In einem späteren, intimen Gespräch mit ausgewählten Journalisten in seinem Privathaus, zu dem unter anderem Reporter des "Wall Street Journal" geladen waren, wurde der Oracle-Chef dann um einiges deutlicher: "Diese Jungs [Microsoft] sollten und müssen bestraft werden."

Mit Blick auf den Kartellprozeß gegen Microsoft forderte Ellison einmal mehr die Zerschlagung des Gates´schen Imperiums. "Gebt Bill endlich eine Chance, daß zu tun, was er sich schon lange wünscht - etwas Neues zu schaffen [innovate]." Man solle Microsoft am besten in drei oder vier Teile zerlegen und jedem einen Monopol-Baustein (Windows 2000, Windows 98, Explorer) überlassen. "Wir konkurrieren mit Microsoft im Datenbank-Geschäft, und wir konkurrieren mit IBM im Datenbankgeschäft. Sollen sie [die "Microsofts"] doch im Windows-Geschäft konkurrieren", lästerte Ellison.