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Oracle gibt Arthur Andersen den Laufpass

10.04.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Enron-Skandal und der folgende massive Kundenverlust des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Arthur Andersen LLP, der US-Tochter von Andersen Worldwide, haben nun auch Oracle veranlasst, nach rund 15 Jahren den Auditor zu wechseln. Der US-Softwarehersteller beteuerte, dass Arthur Andersen ein "großartiger Partner" war und es "unfair" sei, dass durch die Enron-Pleite der Ruf des gesamten Unternehmens in Mitleidenschaft geraten ist. Aufgrund der jüngsten Auflösungserscheinungen bei Arthur Andersen in den vergangenen Wochen habe sich Oracle jedoch entschlossen, Ernst & Young künftig mit der Prüfung seiner Bücher zu beauftragen. Als Folge des Enron-Skandals hat Andersen bislang den Exodus von rund 150 Kunden zu beklagen.

Oracle zahlte Arthur Andersen im Geschäftsjahr 2001 rund 700.000 Dollar für seine Wirtschaftsprüfungsdienste. Arthur Andersen stellt der Softwareschmiede jedoch ebenso IT- und Business-Beratungsdienstleistungen zur Verfügung. Dafür wurden 2001 rund 6,4 Millionen Dollar fällig. Ob Oracle diese Services in Zukunft noch von dem gebeutelten Wirtschaftsprüfer beziehen wird, ist bislang unklar.

Im Anschluss an die Enron-Pleite hatte Arthur Andersen angekündigt, sein Wirtschaftsprüfungs- vom Beratungsgeschäft zu trennen. Der Auditor hatte für den kollabierten US-Energiekonzern Enron sowohl als Wirtschaftsprüfer unter skandalträchtigen Umständen im großen Stil Akten vernichtet, die Enron und Arthur Andersen wahrscheinlich belastet hätten. Die Buchprüfer stehen nun an mehreren Fronten unter Beschuss: Ihnen drohen zahlreiche Zivilklagen, eine Untersuchung der US-Börsenaufsicht und eine Anklage wegen Justizbehinderung. Anfang dieser Woche kündigte Arthur Andersen an, zusätzlich zu den bereits angekündigten 2000 Stellenstreichungen weitere 7000 Mitarbeiter oder über ein Viertel seiner Belegschaft entlassen zu wollen. (ka)