RDBMS ist Herzstueck der Web-Strategie

Oracle baut im Internet auf Know-how bei Datenbanken

05.01.1996

Die Datenbankkarte spielt Oracle bei seinen aktuellen Web-Produkten sowohl auf der Server- als auch der Client-Seite aus. Nach Einschaetzung des Unternehmens liegt eine Schwaeche der meisten Web-Server darin, dass sie zur Verwaltung von Dokumenten in Hypertext Markup Language (HTML) auf das Dateisystem zurueckgreifen. Bei grossen Datenmengen fuehrt dies zu einer unuebersichtlichen Sammlung an Text- und Grafikdateien.

Wie die anderen fuehrenden Datenbankanbieter vertritt auch Oracle die Auffassung, dass Web-Server deshalb auf Datenbanken aufsetzen muessen. Der hauseigene "Webserver" besteht daher aus einem traditionellen Web-Server, "Weblistener" genannt, einer Oracle-7-Datenbank und einem "Webagent", der fuer den Informationsaustausch zwischen Datenbank und Server zustaendig ist. Dieses Modell eignet sich zur Erstellung dynamischer Felder in Web-Seiten, da der Webagent als "normaler" Datenbank-Client auftritt und aus der Datenbank aktuell ausgelesene Informationen ueber das inzwischen standardisierte "Common Gateway Interface" (CGI) an den eigentlichen Web-Server weitergibt. Bei Bedarf koennen auf diese Art auch ganze Web-Seiten dynamisch generiert werden, indem der Agent eine Stored Procedure in der Datenbank anstoesst. Das Abfrageergebnis kommt im HTML-Format zurueck und wird vom Agent ueber CGI an den Weblistener weitergereicht.

Anwendern seiner Datenbank bietet Oracle den Weblistener und den Webagent in Form des Web-Zusatzprodukts "Webserver Option" an. UEber die Anbindung ihrer Datenbank an das WWW koennen Anwender beispielsweise Produkte und Dienstleistungen online verkaufen oder so ihren Kundenservice abwickeln.

Web-Clients koennen zwar mit allen gaengigen Browsern auf Oracles Web-Server zugreifen, trotzdem moechte der Datenbankanbieter auch hier mit einem eigenen Produkt Fuss fassen. Auch beim "Powerbrowser" hofft Oracle darauf, dass sich die integrierte Datenbank - eine abgespeckte Variante von "Personal Oracle 7" - als Konkurrenzvorteil erweist. Mit ihrer Hilfe lassen sich Web-Adressen verwalten und sogar kleine Web-Server fuer Workgroups betreiben, spaeter soll sie auch Web-Inhalte speichern koennen. Eine Lizenz dieses Produkts wurde bereits an Microsoft vergeben. Derzeit existiert der Oracle-Browser nur als Betaversion fuer Windows, soll aber noch im ersten Quartal 1996 kostenlos ueber das Internet http://www.oracle. com verteilt werden. Die endgueltige Version beinhaltet zudem einen Drag-and-drop-Editor zum Erstellen von Web-Seiten.