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Oracle ändert sein Lizenzmodell für Multi-Core-Prozessoren

15.07.2005
Oracle beugt sich dem Druck seiner Anwender und berechnet jeden Kern eines Multicore-Prozessors bei der Lizenzierung seiner Software künftig als 0,75 volle CPUs.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Oracle plant laut Informationen verschiedener US-amerikanischer Nachrichtendienste offenbar, sein Lizenzmodell für Multi-Core-CPUs zu ändern. Mussten Anwender in der Vergangenheit für jeden einzelnen Rechenkern eine eigene Lizenz kaufen, soll künftig jeder Core in einem Multi-Prozessor-Chip mit dem Faktor 0,75 zur Berechnung der Lizenzgebühren herangezogen werden.

Mit diesen Änderungen reagiert der im US-amerikanischen Redwood Shores ansässige Datenbankspezialist auf zum Teil massive Kritik seiner Kunden. Diese hatten in den vergangenen Monaten immer wieder die Lizenzpraktiken des Softwareanbieters an den Pranger gestellt. Die Metriken für CPU-basierte Lizenzen entspreche nicht der realen Rechenleistung, monierten die Anwender. Oracle berechne für einen Dual-Core-Prozessor den doppelten Lizenzpreis, obwohl der Chip mit seinen zwei Rechenkernen nicht automatisch auch die doppelte Leistung bringt.

Andere Softwareanbieter haben frühzeitig auf diese Bedenken reagiert und ihre Lizenzmodelle für Multi-Core-Prozessoren angepasst. So machen beispielsweise IBM und Microsoft keinen Unterschied zwischen herkömmlichen CPUs mit einem Rechenkern und Multichip-Prozessoren. Beide Anbieter berechnen ihre Lizenzgebühren nach der Zahl der physisch vorhandenen Prozessoren, egal wie viele Rechenkerne in dem Chip vorhanden sind.

Ganz so weit wollte Oracle offenbar nicht gehen. Mit dem neuen Umrechnungsfaktor von 0,75 kommt der Softwareanbieter seiner Klientel allerdings einen Schritt entgegen. Nähere Details des neuen Lizenzmodells liegen noch nicht vor. Es wird erwartet, dass Jacqueline Woods, Vice President für die Bereiche Pricing und Licensing bei Oracle, im Laufe des heutigen Freitags weitere Einzelheiten über die künftigen Lizenzmetriken bekannt gibt. (ba)