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Optionsbetrug: Früherer Brocade-Chef in allen Punkten für schuldig befunden

08.08.2007
Panik macht sich breit in den Chefetagen vieler US-amerikanischer auch Hightech-Unternehmen, nachdem eine Jury gestern den früheren Chef von Brocade Communications Systems in einem Strafprozess bezüglich der begünstigenden Umdatierung von Aktienoptionen ("Backdating") in allen zehn Anklagepunkten für schuldig befunden hat.

Gregory Reyes, Ex-CEO von Brocade, drohen nun eine enorme Geldstrafe sowie bis zu 20 Jahre Haft. Der Schuldspruch gilt als wichtiger Sieg für die Strafverfolger der US-Regierung und dürfte als Vorbild für zahlreiche weitere Backdating-Prozesse gegen hochrangige Manager dienen. Einer der beteiligten Ankläger, Assistant U.S. Attorney Timothy Crudo, wird zudem mit darüber entscheiden, ob auch gegen Apple eine Backdating-Strafanzeige erhoben wird.

Reyes' Anwalt Richard Marmaro beteuert unterdessen weiter die Unschuld seines Mandanten. "Wir sind zuversichtlich, dass er letzten Endes freigesprochen wird", erklärt Marmaro in einer Stellungnahme. "Er hat zu jeder Zeit im besten Interesse der Mitarbeiter und Aktionäre von Brocade gehandelt." Es ist davon auszugehen, dass Gregory Reyes in die Berufung geht. Der Manager war im Jahr 2005 zum Rücktritt gedrängt worden, nachdem Brocade zuvor Fehler in seiner Bilanzierung hatte einräumen müssen.

Noch immer ist umstritten, ob die Umdatierung von Aktienoptionen zugunsten ihrer Nutznießer wirklich illegal ist. In der Praxis müssen dafür allerdings üblicherweise Dokumente gefälscht und Kosten hinsichtlich Steuern und Gewinn falsch ausgewiesen werden, was die finanzielle Gesundheit einer Firma verschleiert und offensichtlich unrechtmäßig ist.

Im Prozess gegen Reyes war es für die Anklage insbesondere wichtig, dem früheren Brocade-Chef einen wissentlichen Rechtsbruch nachzuweisen. Dabei wurde dem Manager insbesondere eine E-Mail an Jim Bidzos zum Verhängnis, befreundeter Verwaltungrat (Director) bei Verisign. Reyes schrieb darin explizit und sogar in Großbuchstaben, das Backdating von Optionszuteilungen sei illegal. Zudem bezeugte ein frühere Personal-Manager von Brocade während der Anhörung, Reyes habe einmal gesagt, Backdating sei "nicht illegal, solange man sich nicht erwischen lässt".

Bis zum heutigen Tage wurde gegen 16 Manager aus acht US-Unternehmen Strafanzeige im Zusammenhang mit Backdating gestellt. Sieben von ihnen haben auf schuldig im Sinne der Anklage plädiert; einer ist nach Namibia geflohen und wehrt sich gegen eine Auslieferung an die Vereinigten Staaten. Einige der rund 140 in unterschiedlichen Stadien laufenden Ermittlungen der US-Behörden wurden auch schon ohne Klage eingestellt. (tc)