Agile Operating Models (AOM)

Operating Model für anpassungsfähige Organisationen

27.12.2019
Von 
Andreas Slogar ist Autor des laCoCa-Modells für agile Organisationen, lacoca.org, des Buches "Die agile Organisation", Hanser Verlag und Gründer des BlueTukser.com- Expertise-Netzwerks.

Organisationsentwicklung als Geschäftsfähigkeit

Kontinuierliche und inkrementelle Entwicklung und Umsetzung organisatorischer Anpassungen
Kontinuierliche und inkrementelle Entwicklung und Umsetzung organisatorischer Anpassungen
Foto: Andreas Slogar

Das zweite Element, das neben dem AOM und seinen Bausteinen benötigt wird, ist der Aufbau der Geschäftsfähigkeit. Das Agile Organisation Model muss kontinuierlich, interdisziplinär und selbstverständlich entwickelt und angepasst werden. Finanzmanagement, Controlling, Vertrieb, IT oder Personalmanagement gelten selbstverständlich als notwendige Geschäftsfähigkeiten. Genauso sollte auch die Organisationsentwicklung verstanden und praktiziert werden. Dabei kann die Geschäftsfähigkeit in jedem Bereich des Unternehmens vorhanden sein und wird von den Mitarbeitern selbstorganisiert umgesetzt. Eine allwissende Stabsstelle, die ein AOM für alle Mitarbeiter durchdenkt, ist ebenso unnötig wie hinderlich.

Wirkungsvoller und effizienter ist ein Mitarbeiterzirkel, also eine Community of Practice, die unternehmensweit für Synchronisation sorgt. Die aktuellen Konfigurationen der Teams, Fachgebiete, Geschäftsfähigkeiten, Geschäftsprozesse, Methoden oder Kennzahlenmodelle müssen mit den Anforderungen der Kunden und der Wettbewerber verglichen werden. Notwendige Anpassungen werden vereinbart und in das operative Geschehen überführt. Im operativen Betrieb werden die Anpassungen genutzt, nachdem sie in einer Simulation auf ihre Anwendungsfähigkeit und Wirksamkeit geprüft wurden.

Wie bei agilen Denkmodellen und Vorgehensweisen üblich, werden auch die Anpassungen des AOM in Iterationen und inkrementellen "Häppchen" vorgenommen. Darin ist der grundsätzliche Unterschied einer AOM-basierten Geschäftsfähigkeit von seinem sequenziellen Reorganisationsvorgänger zu erkennen. Anstelle von einem fixen Organisationszustand zum nächsten zu wechseln, werden viele kleine Änderungen kontinuierlich entwickelt, getestet, angewendet, verbessert oder verworfen. So wird Anpassungsfähigkeit zu einer selbstverständlichen Fähigkeit der Organisation und verliert ihren Schrecken. Gleichzeitig bekommt die Veränderung ein positives Image als Bestandsgarant für Arbeitsplatz und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu entwickeln.

Fazit

Wer eine agile Organisation aufbauen, nutzen und kontinuierlich anpassen will, muss bekannte und bisher bewährte Konzepte und Strukturen verwerfen. Geschieht das nicht, droht der Fehlversuch, neue Ansätze mit gewohnten Werkzeugen umzusetzen. Dass dies scheitern muss, ist offensichtlich. Anwendungssicherheit für neue Werkzeuge und Fähigkeiten, wie Aufbau und Etablierung eines Agile Operating Models (AOM), in einem Unternehmen zu entwickeln, erfordert sehr viel Ausdauer und Experimentierfreude. Sie ist nicht über Nacht zu haben, indem unternehmensweit eine Methode eingeführt wird. Das benötigte Wissen und die Erfahrung müssen erst aufgebaut und erworben werden. Die Investition und Geduld zahlen sich mittelfristig aus, wie empirische Studien belegen.