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Opera 8 beschleunigt die Navigation und gehorcht aufs Wort

19.04.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die norwegische Softwareschmiede Opera hat nach einem Beta-Test die endgültige Version 8 ihres gleichnamigen Browsers freigegeben. Zu den Neuerungen zählen eine einfachere Konfiguration, Sprachunterstützung und ein zusätzliches Navigationsmenü.

Auf den ersten Blick lässt sich kaum ein Unterschied zum Vorgänger ausmachen. Auch diese Browser-Version ist flott. Auf dem zweiten Blick schon. Im Adressfeld wird nun angezeigt, wenn ein RSS-Feed auf der Web-Seite angeboten wird. Die Feeds haben einen eigenen Menüpunkt bekommen und sind so leichter zugänglich. Leider gibt es aber keine Möglichkeit, diese RSS-Feeds als Bookmarks auf dem "Persönliche Leiste" zu verankern. Dieses praktische Feature bietet Mozillas Firefox mit den "Live Bookmarks". Vielmehr erscheinen die RSS-Informationen in einen eigenen Tab.

Rascher Zugriff auf Sicherheitsinformationen

Greift der Anwender auf eine verschlüsselte Website zu, erscheint im Adresseingabefeld eine gelbe Box. Beim Anklicken öffnet sich ein Fenster, das Sicherheitsinformationen über die Site präsentiert, etwa Details zum digitalen Zertifikat sowie zur Datenverschlüsselung.

Praktisch: Zusätzliches Menü im Adresseingabefeld

Klickt der Surfer auf das Adresseingabefeld, klappt ein zusätzliches Menü nach unten auf. Es bietet den Startseite-Button, die Top-10 der besuchten Websites sowie eine Kopie des Bookmark-Menüs vom Hauptfenster an. Auch diese Menüleiste lässt sich konfigurieren beziehungsweise mit persönlichen Bookmark-Icons ausstatten. Somit muss die Maus nur kurze Wege über den Bildschirm zurücklegen, um woanders hin zu navigieren, vor allem, wenn der Surfer zusätzlich noch Mouse Gestures verwendet. Bei Letzteren handelt es sich um Mausbewegungen zum Navigieren. Das Drücken der linken Maustaste und gleichzeitigem Ziehen nach links entspricht beispielsweise dem Zurück-Knopf.

Überfällig: Konfigurationszentrale

Geändert hat sich auch die Konfiguration. Waren die Einstellungen beim Vorgänger noch auf verschiedene Menüs verstreut, lassen sich jetzt über "Anpassen ...." (erreichbar über das Kontextmenü mit der rechter Maustaste außerhalb der HTML-Seite) Einstellungen für Skins (Farbmuster und Buttongestaltung), Panels, Toolbars und Buttons vornehmen.

Mit der Option "Beim Anpassen alle Symbolleisten anzeigen" sieht der Anwender während der Konfiguration alle Toolbars auf einen Blick. Sobald er ein Häkchen hinter eins der Elemente setzt, wird die Symbolleiste, für die diese Aktion galt, gelb umrandet. Dies ist nützlich, um die Übersicht zu behalten, schließlich bietet Opera eine Vielzahl an Einstellungen, die Neulinge leicht verwirren können. Eine neue Toolbar ("Ansichtsleiste") bietet ein Suchfeld für Recherchen innerhalb des angezeigten Dokuments sowie einen Button, um die Web-Seite an die aktuelle Fensterbreite anzupassen. Hier spielt Opera eine Stärke aus: Da die Software auf einer Vielzahl von Endgeräten läuft, passt sie sich sehr flexibel an die Display-Eigenschaften an. Dies schließt PC-Bildschirme ein. Wenn man beispielsweise das Bedienelement "Paneel" am rechten Rand einblendet, lässt sich die Web-Seite auf die verbleibende Fenstergröße verkleinern.

Nett aber verzichtbar: Hören und Sprechen

Neuerdings liest Opera in Englisch verfasste Texte auf Web-Seiten vor und kann über englische Sprachbefehle gesteuert werden. Diese Funktion wurde für die Handy-Versionen der Opera-Software entwickelt und nun auch für den PC adaptiert.

Zum Surfen via Spracheingabe drückt der Anwender auf den Button "Sprache", wartet einen Piepton ab und spricht ein Kommando ein, etwa "Home", "New Page", "Open Link". Zum Diktieren von E-Mails oder der Eingabe von URLs eignet sich dieses Feature nicht. Opera per Sprache zu bedienen, gleicht mitunter einem Geduldsspiel, da der Nutzer sich auf die geforderte Aussprache einstellen muss. Der Browser teilt jedoch freundlich mit, wenn er den User am Mikro nicht verstanden hat. Sind diese Hürden überwunden, arbeitet die Sprachsteuerung recht zuverlässig.

Schade: Kein Drag & Drop direkt in den Bookmark-Ordner

Leider ist es noch immer nicht möglich, eine Web-Adresse aus dem Adressfeld des Browsers per Drag & Drop in den Bookmark-Ordner einzufügen (beispielsweise eine Suchmaschinen-Site in den selbsterstellten Ordner Suchmaschinen). Es ist jedoch wie bei den Vorgängerversionen möglich, URLs als Icons auf der persönlichen Leiste zu plazieren. Das Einfügen der aktuellen Web-Seite in einen Bookmark-Ordner funktioniert über das Feature "Seite als Lesezeichen speichern ..." (Ctrl-T oder Kontextmenü). Eine weitere Alternative bietet das Paneel, über das die Bookmark-Verwaltung ebenfalls zugänglich ist.

Fazit

Der große Wurf ist Opera mit der Version 8 nicht gelungen, vergleicht man das aktuelle Release mit den Vorgängern, dem Konkurrenten Firefox sowie dem unlängst vorgestellten Browser "Netscape 8.0". Dies mag daran liegen, dass die Firma schon seit Jahren gute Browser-Software auf den Markt bringt und mittlerweile die Ideen für bahnbrechende Neuerungen ausgehen. Zumindest aber haben die Norweger sehr nützliche Details eingebaut, etwa die leichtere Konfiguration oder das Navigationsmenü im Adressfeld. Sie erleichtern Vielsurfern die Arbeit. Auf die Sprachfunktion wird der Normalsurfer am PC wohl verzichten können. Anschauen sollte man sich die Software auf alle Fälle.

Von Opera gibt es eine kostenlose Version mit Werbeeinblendungen sowie eine Kaufvariante ohne Anzeigen, die 34 Euro kostet. (fn)