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OpenWorld 2000: Oracle präsentiert 9i

02.10.2000
Kombi aus RDBMS und Application-Server

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Oracle nutzt seine Hausmesse OpenWorld 2000 im kalifornischen San Franzisko, um seinen neuen Application Server "9i" vorzustellen. Als jüngster Spross der Middleware-Linie des Datenbankriesen zeichnet sich das Produkt unter anderem durch ausgefeilte Caching-Techniken aus.

9i stellt im Prinzip eine integrierte Kombination aus Datenbank (RDBMS = Relational Database Management System) und Application-Server dar. Diese zielt unter anderem auf Hosting-Umgebungen wie Oracles eigenes "AppsNet"-Programm ab. Nach Einschätzung von Analysten will Oracle die Chance nutzen, selbst zu einem der dominierenden Anbieter von Softwareservices zu werden - im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern, die zu diesem Zweck lieber mit ASPs (Application Service Providern) kooperieren. "Die Konkurrenten verschenken das komplette Servicegeschäft an die ASPs", urteilt etwa Colleen Niven von AMR Research in Boston.

Damit aber nicht genug: Oracle plant mittelfristig, sein bestehendes ASP-Netz mit 9i und seinen integrierten "Applications" aufzubohren. "Im Laufe der kommenden drei Monate werden wir unser ´Business OnLine´ komplett integrieren und mit den Intra- und Internet-Inhalten im Netz eines Anwenders verknüpfen", erklärt Mark Jarvis, Vice President Worldwide Marketing. Er glaubt fest an Zukunft von Software als Dienstleistung. "In fünf Jahren wird die Branche komplett anders aussehen. Die Leute kaufen dann nicht länger Produkte, sondern Software als Service über das Internet. Hersteller, die ihre Software auf traditionelle Weise anbieten, werden verschwinden." Mike Schiff von Current Analysis in Sterling, Virginia, räumt Oracle hier gute Chancen ein. "Sie werden dank ihrer Marktposition Erfolg haben", glaubt der Analyst.

Mit "8i" hatte Oracle vor gut zwei Jahren verstärkt auf das Internet gesetzt - die Datenbank gestattete erstmals den direkten Zugriff via Browser und konnte als Internet-Filesystem dienen. 9i geht in vieler Hinsicht einen Schritt weiter. Die Datenbank lässt sich nun zwecks Hochverfügbarkeit besser über Server-Cluster verteilen und gestattet die Konsolidierung verschiedener Datenbestände, so dass nicht für jeden neuen Kunden eine eigene Datenbank aufzusetzen ist.

Vor allem Web-basierte Anwendungen sollen nach dem Willen des Herstellers von 9i profitieren. Das Produkt gestattet das Web-Server-Caching sowohl von dynamischen als auch von statischen Inhalten. Administratoren dürften sich insbesondere über die "Search Protection Technology" zur Verwaltung der Caches freuen. Mit deren Hilfe lässt sich der Inhalt des schnellen Zwischenspeichers quasi nach Belieben priorisieren. Wenn ein E-Business beispielsweise seine komplette Site-Suche auf einen Schlag updatet, bestimmt Search Protection, welche Daten im Cache bleiben.

Üblicherweise befinden sich bei einem solchen Vorgang nur wenige Daten im Cache. Die Folge: Kunden werden direkt auf den Server geleitet, was Leistungseinbußen bis hin zum Systemstillstand nach sich ziehen kann. Search Protection stellt sicher, dass die wichtigsten Informationen, etwa Preislisten, immer im Cache vorgehalten werden. "Wenn sich zu viele Daten im Cache ändern, wird der Server plötzlich mit Anfragen überschwemmt", erläutert Scott Clawson, Director Internet Platform Marketing.

Caching ist für Oracle nichts wirklich Neues - Datenbank-Caching gab es bereits beim "internet Application Server" (iAS), den die Ellison-Company im vergangenen Juni vorgestellt hatte (Computerwoche.de berichtete). Dieser "iCache" wird laut Clawson auch in 9i verwendet.

Ferner lässt sich 9i zentral verwalten. Dabei setzt der Hersteller auf eine erweiterte Version des "Oracle Enterprise Manager", der bis dato nur beim Datenbank-Management zum Einsatz kam. Die jüngste Ausführung erlaubt den zentralen Zugriff auf Web-Caching, den Application-Server, einzelne Anwendungen sowie den zugrunde liegenden HTTP-Server "Apache".

Auch an die Entwicklergemeinde hat Oracle bei 9i gedacht: Das Produkt enthält eine Reihe von Tools, mit denen man unter anderem Anwendungen bauen kann, die die "Portlet"-Komponententechnik (Computerwoche.de berichtete) des Herstellers nutzen. Weitere Werkzeuge gestatten es, Data-Warehouse-Informationen zu extrahieren und für eine Browser-Ansicht aufzubereiten.