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Online-Übersetzer: Freiwillige vor!

12.06.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die gemeinsame Arbeit freiwilliger Helfer an weltweiten Internet-Projekten wird langsam salonfähig. Nach Vorreitern wie dem Seti@Home-Vorhaben, das sich der Suche nach außerirdischer Intelligenz verschrieben hatte, wurde nun in den USA ein neues Projekt initiiert, welches nicht weniger ambitioniert ausgefallen ist: der Fast-Echtzeit-Web-Übersetzer. Die treibende Kraft hinter dem Ansatz ist Brian McConnell, im Hauptberuf Entwickler bei der Firma Trekmail.com. Ihm schwebt ein universelles "Worldwide Lexicon" (WWL) vor, welches mittels verteiltem Computing sowie einer gehörigen Portion menschlichen Engagements entstehen soll. Freiwillige aller Länder stellen dafür Computerressourcen zur Verfügung und opfern, so der Plan, neben Rechenpower auch ihre Zeit sowie die persönlichen Fähigkeiten.

Kern des Systems ist ein einfaches Protokoll, das sämtliche Wörterbücher, Enzyklopädien und Übersetzungstools im Internet verbinden soll. Im Gegensatz zu Seti@Home steht jedoch nicht der Prozessor im Mittelpunkt, sondern der Surfer, der gestückelte Übersetzungsanfragen je nach individueller Qualifikation über eine Client-Software auf seinen Desktop erhält. Er kann dann entscheiden, ob er den Text bearbeitet oder ihn ignoriert. Die Übersetzungen werden von einem Server gesammelt, verglichen, ausgewertet und gegebenenfalls in eine Datenbank übernommen. Gleichzeitig erhält der freiwillige Dolmetscher ein Rating.

In der Mitte des Netzes sitzen so genannte Supernodes, auf denen die Sprachfähigkeiten der Clients und die Adressen der Server gespeichert werden. Gegenwärtig arbeitet das Team an einer Applikation, um die WWL-Server in Fast-Echtzeit beispielsweise mit Instant-Messaging-Programmen nutzen zu können. Ende Juni sollen die ersten Supernodes eingeschaltet werden, für die zweite Jahreshälfte ist der Client angekündigt. Für McConnell ist jedoch klar, welcher Faktor über den Erfolg des Projektes entscheidet, nämlich die Community der Freiwilligen. (ajf)