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Amen

Online-Netzwerk führt Überzeugungen zusammen

14.09.2011
Start eines Sozialen Netzwerks ganz anderer Art: Bei 'Amen' postulieren die Teilnehmer ihre Meinungen, sammeln Unterstützer - und schaffen so ganz nebenbei skurrile bis nützliche Hitlisten.

Mit einer frommen Formel bekräftigen die Teilnehmer einer neuen Internet-Plattform ihre feste Überzeugung: Amen - So ist es. Amen ist auch der Name für das am Dienstag gestartete Soziale Netzwerk für Meinungen aller Art. Diese werden in einer bestimmten Struktur veröffentlicht, so dass die Software automatisch Hitlisten der Tops und Flops erzeugen kann. Rund 3.000 Nutzer fanden die Idee des Berliner Startup-Unternehmens so interessant, dass sie sich an dem geschlossenen Beta-Test beteiligt haben. Das Geld kommt unter anderem von der Investmentgesellschaft Index Ventures, auch der Schauspieler Ashton Kutcher und Madonna-Manager Guy Oseary sind mit dabei.

"Amen verbindet die Einfachheit von Twitter und das Status-Update von Facebook mit dem menschlichen Grundbedürfnis auf Meinung", erklärte Mitbegründer Felix Petersen der Nachrichtenagentur dpa. "Im Moment geht es vor allem darum, seine Meinung zu äußern, Recht zu haben, Spaß zu haben und um viel Wortwitz."

"Waldmeister ist der beste Brause-Geschmack aller Zeiten", postulierte ein Nutzer - und erhielt dafür ein "Amen" von zehn anderen Teilnehmern. Siebenfache Zustimmung fand die Aussage "Berti Vogts ist der schlechteste Fußballtrainer, den es je gab". Dazu ist bereits eine kleine Hitliste der Trainer-Flops entstanden: Auch Erich Ribbeck und Jupp Derwall wurden als schlechteste Trainer genannt, allerdings erhielten diese weniger "Amen"-Klicks als Vogts. Ist man mit einer Meinung ganz und gar nicht einverstanden, kann man auf "Hell no" klicken und eine Alternative für das beste oder schlechteste Irgendetwas benennen.

Das Netzwerk macht solche statistische Auswertungen möglich, indem neue Meinungen nur in einer ganz bestimmten Satzstruktur veröffentlicht werden können. Diese folgt auf Englisch dem Muster "Lady Gaga is the Best Musical Artist Ever" (Lady Gaga ist die beste Musikerin aller Zeiten). Das Subjekt kann beliebig ausgetauscht werden, wobei Aussagen über Personen, Orte und Sachen möglich sind. Statt "die beste" ist auch das Gegenteil "die schlechteste" möglich. Das Objekt und der zeitliche Rahmen sind wieder frei wählbar. Die Gestaltung der Aussagen mit einzelnen Blöcken und in unterschiedlichen Farben lädt dazu ein, die sprachliche Kreativität auszuleben. Wie bei Twitter kann man Bekannten "folgen" und sieht dann deren Beiträge in einer Liste.

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