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Online-Musikvertrieb: US-Justiz kontrolliert mit Argusaugen

16.10.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das amerikanische Justizminsterium intensiviert seine Untersuchungen der Online-Musikindustrie. Auch die Kartellrechtler der europäischen Kommission nehmen sich die Geschäftspraktiken von Musicnet und Pressplay genauer vor, um herauszufinden, ob der freie Wettbewerb behindert wird.

Beide Services wollen mit ihrem Online-Musikvertrieb noch in diesem Jahr ans Netz gehen. Die US-Justiz fordert nun zivile Organisationen wie den amerikanischen Plattenindustrieverband RIAA zur Zusammenarbeit bei den Untersuchungen auf.

Das Department of Justice (DoJ) ist seit längerem an der Sache dran: Musicnet und Pressplay stehen im Verdacht, mit unfairen Lizenzierungspraktiken kleinere Mitbewerber aus dem Markt zu drängen. Musicnet ist der Vertriebskanal digitaler Musik von AOL Time Warner, Bertelsmann, EMI und Real Networks. Auch Pressplay gehört zu den ganz Großen: Es wurde von Vivendi Universal und Sony gegründet. Eigenen Angaben zufolge wurde nun die RIAA vom DoJ zur Kooperation aufgefordert. Man wolle dieser Bitte in vollem Umfang nachkommen, so der RIAA-Sprecher Jano Cabrera.

Auch der Online-Musik-Provider Listen.com erhielt eine Anfrage bezüglich einer Zusammenarbeit mit der US-Justiz. Interessiert sei diese an Informationen darüber, ob es die Großen der Branche mit dem Kartellrecht genau nehmen. MusicNet and Pressplay stehen im Verdacht, unverhältnismäßig hohe Nutzungsgebühren für ihren Content einzufordern. Ihr Gegenargument: Die Gebühren seien nötig, um die Künstler angemessen zu entlohnen und um Urheberrechte zu sichern.

Die europäische Kommission beobachtet die Aktivitäten der beiden Joint Ventures seit April. "Unsere Untersuchungen sind noch in einem sehr frühen Stadium", sagt Kommissionssprecherin Amelia Torres. Noch werde viel spekuliert.