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Novell plant mit OES "Both-Source"-Zukunft

15.09.2004

Auf der Brainshare EMEA in Barcelona hat Novell angekündigt, es werde im November seinen "Open Enterprise Server" in den öffentlichen Beta-Test schicken. Das Unternehmen bereitet damit den nächsten Schritt der Integration von Netware mit Linux vor.

Netware-Bestandskunden erhalten damit einen Upgrade-Pfad und einen Ausblick in die Zukunft des einst führenden Netzbetriebssystems. Der Open Enterprise Server (OES) kombiniert Netware 7, Suse Linux Enterprise Server (SLES) 9 sowie die Netz- und System-Management-Software von Novell.

"Wir haben all unsere bestehenden Produkte auf Linux überführt", erklärte Chairman und CEO Jack Messman. "Wenn Sie auf immer Netware verwenden wollen, dann nehmen Sie OES als nächste Version davon." Nach den Übernahmen von Ximian und Suse ist Linux Novells strategische Plattform. Seine Bestandskunden kann und will das Unternehmen aber nicht vergrätzen. "Die Netware, die Sie kennen und lieben, wird nicht verschwinden", versprach Messman Partnern und Kunden. "OES ist ein einfacher Weg, Ihre Umgebungen um Linux zu erweitern."

Dabei kombiniere OES Open-Source- und proprietäre Novell-Produkte, und dieses Modell werde die Firma trotz ihrer jüngsten Wendung in Richtung Open Source auch weiterhin verfolgen. "Die Zukunft wird Both Source sein, nicht bloß Open oder proprietär", postulierte der Novell-Chef. "Wir brauchen auch proprietäre Software, denn wenn mehr Software als Open Source veröffentlicht wird, verlangen mehr Leute nach proprietärer Software, die sie darauf aufsetzen können."

Novell werde auch weiterhin die Entwicklung quelloffener Software-Alternativen verfolgen, und gegebenenfalls proprietäre Produkte zu deren Gunsten fallen lassen, so wie dies bereits mit der Übernahme der Datenbank MySQL und des Application Servers JBoss geschehen sei.

OES stelle zusätzlich zum SLES eine Menge weiterer Netzdienste bereit. Kunden, die diese nicht ausdrücklich wünschten, empfehle man allerdings, beim Suse-Unternehmensprodukt zu bleiben. "Leuten, die eigentlich nur Linux wollen, würden wir den SLES empfehlen", erklärte Angie Anderson, Vice President und General Manager Nterprise Platform Services. "Die Auswahl ist abhängig von der tatsächlichen Verwendung in einer Unternehmensumgebung."

Novells EMEA-President (Europa, Nahost und Afrika) Richard Seibt ergänzte, seit der Übernahme von Suse sei die Rate von Netware-Kunden, die Novells alter Plattform den Rücken kehrten, von einem zweistelligen Wert auf nur noch zwei Prozent gefallen. "Die Kunden wissen nun, dass sie nicht wechseln müssen", so Seibt. Anderson hofft darüber hinaus, mit OES Kunden zurückzugewinnen: "Wir haben gute Chancen bei NT-4-Anwendern, wo Novell einige Kunden verloren hatte."

Für gute Karten bei der Anwenderschaft sprechen zumindest erste Ergebnisse des bereits laufenden geschlossenen Beta-Test für den OES. Von den Teilnehmern, die in den kommenden 18 Monaten Linux einführen wollen, planen laut Novell 48 Prozent dieses als Ersatz für Windows 2000/2003 und begründen dies mit Stabilität, generellen Vorteilen von Open Source und geringeren Kosten.

Um solch wechselwillige und andere Linux-interessierte Kunden zu unterstützen, hat Novell außerdem ein Porting and Migration Network etabliert, bei dem auch andere Branchengrößen wie IBM, HP, Intel und Oracle mit von der Partie sind, und ein neues Porting and Migration Center in Deutschland eingerichtet, wo Anwendungsentwickler Hilfestellungbei der Migration ihrer Applikationen auf Linux erhalten sollen. (tc)